Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2003

08:22 Uhr

US-Autohersteller setzen auf neue Modelle

Preiskrieg geht weiter

VonThorsten Riecke (Handelsblatt)

Don Hansen hört nicht mehr auf die Kassandra-Rufe. "In den letzten zwei Jahren dachte ich bereits, dass es einen Einbruch auf dem US-Automarkt geben würde. Doch nichts ist passiert", sagt der Präsident der Autohändler-Vereinigung in Milwaukee. Das vergangene Jahr gibt ihm Recht: Mit etwa 16,6 Millionen verkauften Fahrzeugen zählt das Jahr 2002 zu den besten überhaupt - trotz Terrorängsten, Börsencrash und Massenentlassungen. Warum sollte das anders werden?

NEW YORK. John Casesa, Auto-Analyst bei der Investmentbank Merrill Lynch, nennt aber einige Gründe, dass das Jahr 2003 doch noch schlechter wird: Höhere Pensionslasten, steigende Preise für Stahl und andere Vorprodukte sowie wahrscheinlich höhere Lohnkosten durch die anstehenden Gehaltsrunden mit den Gewerkschaften. "Selbst wenn man die Verkaufsrisiken außer acht lässt, wird es ein hartes Jahr. "

Die Absatzrisiken sind jedoch die größte Gefahr für die drei großen US-Autohersteller in Detroit. So erwartet Chrysler-Chef Dieter Zetsche in diesem Jahr eine sich abschwächende Nachfrage und einen unverändert harten Preiswettbewerb mit Ford und General Motors (GM). Auch bei den Zulieferern herrscht Skepsis. "2003 bringt uns die gleichen Hindernisse wie das vergangene Jahr - sie sind nur noch etwas größer", sagt J.T. Battenberg, Chef des weltgrößten Autozulieferers Delphi.

Dass sich die Aussichten noch einmal verschlechtert haben, zeigt auch eine gestern veröffentliche Studie der Unternehmensberatung KPMG. Die Autobranche werde weltweit erst in zwei Jahren wieder das Ertragsniveau von 2000 erreichen.

Neue Runde im Preiskrieg der großen Drei

Vor allem die US-Autohersteller müssen um Profit und Marktanteile kämpfen. Im Oktober und November ging die Nachfrage nach Neuwagen deutlich zurück. Chrysler leutete deshalb Mitte Dezember eine neue Runde im Preiskrieg der großen Drei ein, so dass der letzte Monat des Jahres die Verkaufszahlen noch einmal nach oben getrieben haben dürfte. Die genauen Zahlen werden heute bekanntgegeben. Ein zweifelhafter Erfolg meint David Healy: "Im Januar folgt dem Kaufrausch ein Kater", sagt der Analyst der Anlagegesellschaft Burnham Securities in New York.

Skeptiker wie Healy befürchten, dass die kostenlosen Finanzierungsangebote zum Bumerang werden. Was im vergangenen Jahr damit gewonnen wurde, fällt im neuen Jahr als Nachfrage aus. Der Fahrzeugbestand ist relativ jung, die Gebrauchtwagenpreise sind im Keller. Kaum Anreize also, ein zwei Jahre altes Auto gegen ein neues einzutauschen.

Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts CNW ist die Zahl der Amerikaner, die 2003 einen Neuwagen kaufen wollen um 28 % gefallen. Ronald A. Tadross, Analyst bei der Banc of America, rechnet deshalb in diesem Jahr nur mit einem Absatz zwischen 14 und 16 Millionen Fahrzeugen. Zum Vergleich: im Rekordjahr 2000 wurden 17,4 Millionen Autos verkauft.

Ein Ausweg könnten neue Modelle sein

Obwohl sich GM, Ford und Chrysler für das neue Jahr vorgenommen haben, die kostspielige Null-Finanzierung zurückzufahren, glaubt in der Branche niemand an ein Ende des Preiskriegs. Ein Ausweg aus dem Dilemma könnten neue Modelle sein. Chrysler versucht es im neuen Jahr mit dem Kombi Pacifica, Ford folgt ein Jahr darauf mit dem Freestyle. Zugleich bringen Chrysler und GM erstmals seit vielen Jahren wieder Pkw mit Heckantrieb auf den US-Markt. "Die US-Hersteller setzen darauf, dass die neuen Modelle sie in die Gewinnzone zurückbringen und die Null-Finanzierung überflüssig machen", sagt KPMG-Marktforscher Brian Ambrose.

Gegenwind spürt die Autoindustrie aber auch aus Washington. Ausgerechnet die industriefreundliche Regierung von Präsident George W. Bush will den Benzinverbrauch für die beliebten Minivans und Geländewagen drosseln. Diese Drohung könnte dem Dieselmotor in den USA zu einem Comeback verhelfen. Ein starker Anstieg des Ölpreises im Zuge eines Irak-Krieges könnte den PS-verliebten Amerikanern den Spaß an ihren Spritfressern ohnehin verleiden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×