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21.01.2004

09:12 Uhr

US-Dominanz im globalen Handel

Weltwirtschaft nimmt kräftig Fahrt auf

VonPetra Schwarz (Handelsblatt)

Wie entwickelt sich die Weltkonjunktur? Dies ist eine der wichtigsten Fragen, die von heute an auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos diskutiert werden. Und diesmal sieht es gut aus; die Ökonomen prophezeien, dass 2004 die Weltwirtschaft wieder richtig unter Dampf kommt.

HB DÜSSELDORF. Simultan soll es gleich in allen wichtigen Wirtschaftsregionen deutlich bergauf gehen. Die Impulse allerdings gehen wieder einmal von den USA aus, sagt Günter Weinert, Ökonom am Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv (HWWA).

Auch wenn die für China prognostizierten Wachstumsraten fast doppelt so hoch sind wie die für die USA vorausgesagten - die Vereinigten Staaten dominieren den Welthandel schon allein durch ihre Größe: Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt summierte sich im Jahr 2003 auf schätzungsweise rund 10,9 Billionen $. Im boomenden China addieren sich die produzierten Güter und Dienstleistungen auf 1,5 Billionen $. Damit steht das Land auf Platz sechs der Weltrangliste.

Gemeinsam ist beiden Regionen, dass schon im vorigen Jahr die Investitionen wieder deutlich angesprungen sind, außerdem haben die heimischen Verbraucher kräftig konsumiert. Hinzu kommt, dass die Exportwirtschaft von der Abwertung der Landeswährung profitieren konnte. 2003 flossen ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 87 Mrd. $ in die USA, schätzt die Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad). Damit waren die USA der weltweit stärkste Kapitalmagnet.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Und so wird auch der Dollarkurs die Davoser Diskussionen beherrschen: Unter der Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar leiden die Volkswirtschaften der Euro-Zone, insbesondere die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft. Weil die Flut aber letztlich alle Boote hebt, wird auch Euro-Land von der Erholung der Weltwirtschaft profitieren und seinen Wohlstand erhalten können, prophezeien die Volkswirte.

Die Bevölkerung der Schwellenländer ist dagegen trotz beeindruckender Wachstumsraten von Wohlstand noch immer weit entfernt. So lag das BIP pro Kopf in China 2001 gerade einmal bei rund 4 000 $, gemessen in Kaufkraftparitäten, in den USA waren es rund 34 000 $. Berücksichtigt man zudem das Bildungsniveau und die Lebenserwartung, sieht das Bild nicht besser aus: Gemessen am so genannten Human Development Index der Vereinten Nationen, steht Norwegen auf Platz eins, die USA liegen auf Rang sieben, und China belegt Platz 104 von 175 bewerteten Nationen.

An der groben Einteilung "reicher Norden, armer Süden" habe sich in den vergangenen zehn Jahren nicht viel geändert, resümiert Tilman Brück, Leiter der Abteilung Weltwirtschaft beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Zu den Gewinnern der Globalisierung zählt er neben China und Indien auch Mexiko. Auf der Verliererseite sieht Brück zudem Afrika - ausgenommen Uganda, Mosambik und Südafrika.

Letztlich profitierten von der Globalisierung in allen Ländern nur die Hochqualifizierten - für Hilfskräfte verschlechtere sich die Situation dagegen eher. Trotzdem nütze die internationale Arbeitsteilung im Endeffekt allen: Denn global betrachtet werden höhere Gewinne erzielt, mit denen die Verlierer kompensiert werden könnten, beispielsweise durch Entwicklungsinvestitionen, sagt Brück. Bis dahin sei der Weg allerdings noch weit.

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