Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2002

08:02 Uhr

US-Einzelhandelskette kann Rechnungen nicht mehr bezahlen

Kmart will Gläubigerschutz beantragen

Die Krise des angeschlagenen US-Einzelhandelskonzerns Kmart hat sich durch den Lieferstopp seines einzigen Lebensmittelgroßhändlers weiter verschärft.

rtr/vwd CHICAGO. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ/Dienstagausgabe) unter Berufung auf Kreise schreibt, hat der Aufsichtsrat des Einzelhandelskonzerns am Montagabend entschieden, Gläubigerschutz zu beantragen. Am Montag war die prekäre Situation auch für Käufer offensichtlich geworden, da der Hauptlieferant von Kmart, Fleming, seine Lieferungen eingestellt hatte. Kmart habe eine bereits fällige wöchentliche Zahlung von 78 Mill. $ nicht geleistet, lautete die Begründung für den Lieferstopp.

Ein Antrag würde Kmart dem WSJ zufolge die Möglichkeit geben, verlustbringende Geschäfte zu schließen und ihre Schulden von 4,7  Mrd. $ zu restrukturieren. Kmart besitzt zurzeit ungefähr 2 100 Geschäfte in den USA. Kreisen zufolge versucht der in Zahlungsschwierigkeiten geratene Einzelhändler, mit seinen Gläubigern eine Übereinkunft zu erzielen, die ihm eine Finanzierung von 2 Mrd $ sichern würde. Zu den Gläubigern gehören unter anderem J.P. Morgan Chase & Co, FleetBoston Financial Corp und General Electric Co.

Der einzige Lebensmittelgroßhändler der Handelskette, Fleming Cos., stellte am Montag eigenen Angaben zufolge seine Lieferungen an Kmart größtenteils ein, nachdem die Handelskette ihre regulären wöchentlichen Zahlungen nicht geleistet habe. Fleming hat nach eigenen Angaben 78 Mill. $ Außenstände bei Kmart. Das Vorgehen des Lebensmittelgroßhändlers verschlechtert nach Einschätzung von Analysten die Situation von Kmart erheblich. Auch der Gartenproduktehersteller Scotts Co, ein Unternehmen der Miracle-Gro Gruppe, kappte aus Sorge vor einem Konkurs von Kmart vorübergehend die Verbindung zu dem Einzelhändler. "Wir haben uns erst einmal entschlossen, Kmart nicht zu beliefern", sagte ein Scotts-Sprecher. Zuvor hatte ein Scotts-Sprecher dem "Wall Street Journal" zufolge gesagt, dass das Unternehmen seine Lieferungen solange unterbrechen werde, bis die Supermarktkette ein Sanierungskonzept vorlege. Der Lieferstopp sei ein Gebot der Vorsicht für den Fall, dass Kmart Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Konkursgesetzes beantrage.

Nach Einschätzung von Kenneth Harris, Analyst bei der Unternehmensberatung Cannondale Associates, verstärkt die Entscheidung von Fleming die Krise bei Kmart. "Es heizt den ganzen Prozess noch mehr an", sagte Harris. Unterdessen sagte Kmart-Chef Charles Conaway, dass sein Unternehmen auf eine Lösung des Problems mit Fleming hinarbeite. Am vergangenen Donnerstag hatte Kmart mitgeteilt, zur Vermeidung eines Konkurses seine Liquiditätssituation zu prüfen und mit Gläubigern über eine Finanzspritze zu verhandeln. Der Aktienkurs von Kmart war daraufhin auf seinen tiefsten Stand seit 30 Jahren eingebrochen. Kmart ist mit 2100 Filialen die zweitgrößte Einzelhandelskette in den USA nach Wal-Mart Stores Inc.

Kmart-Aktien hatten sich am Freitag im New Yorker Handel um 18 Cent auf 1,74 § verbessert. Am Montag ruhte der Handel an der Wall Street wegen eines Feiertages.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×