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28.07.2000

19:24 Uhr

US-Konjunkturdaten für Abschläge verantwortlich

Europäische Börsen wegen Nasdaq überwiegend schwächer

Gegen den Abwärtstrend konnten sich lediglich die Börsen Zürich und Brüssel halten.

Reuters FRANKFURT. Die europäischen Börsen haben am Freitag überwiegend schwächer geschlossen. Der deutliche Kursrückgang an der US-Computerbörse Nasdaq habe an den meisten Aktienmärkten die Hochtechnologiewerte unter Druck gesetzt, sagten Händler. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index notierte im späten europäischen Geschäft gut drei Prozent tiefer auf 3715 Punkten. Gegen den allgemeinen europäischen Abwärtstrend konnten sich lediglich die Börsen Zürich und Brüssel stemmen.

Darüber hinaus machten Händler die US-Konjunkturdaten für die Abschläge verantwortlich. Das unerwartet starke Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal ließ Analysten zufolge erneut die Erwartung steigender Leitzinsen in den USA aufkommen. Mit einem realen Anstieg von 5,2 % hat sich der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beschleunigt. Volkswirte hatten eine deutliche Verlangsamung der Konjunktur erwartet. Nachdem sich seit einigen Wochen an den Finanzmärkten die Meinung verfestigte, die US-Leitzinsen hätten mit 6,50 % ihren höchsten Stand erreicht, ist nun nach Ansicht von Analysten wieder alles offen.

Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz gab bis zum Abend um 0,5 % auf 4824 Zähler nach, der Euro-Stoxx-50-Index für die Blue Chips aus der Europäischen Währungsunion (EWU) um 0,7 % auf 5062 Punkte.



London - FTSE-Index von Telekomaktien belastet

Belastet von den schwachen Telekompapieren ist der FTSE-100-Index an der Londoner Börse um 0,26 % auf 6335,7 Punkte gesunken. Das war der niedrigste Schlussstand seit dem 30. Juni mit 6312,7 Zählern. Im Wochenvergleich ging das Börsenbarometer per saldo um 0,7 % zurück. Telekomwerte ragten im Nasdaq-Sog auf der Verliererseite heraus. So gaben die indexschwergewichtigen VodafoneAirtouch um 3,9 % nach. Pharma- und Ölwerte unterstützten dagegen den Index. Glaxo Wellcome stiegen gegen die allgemeine Markttendenz um 2,4 % und SmithKline Beecham um 2,7 %. Bei den Ölwerten verteuerten sich BP Amoco um zwei Prozent.



Zürich- SMI-Index unter 8000 Punkten behauptet

Die Schweizer Börse hat sich trotz der überraschend starken US-Wirtschaftsdaten behauptet, aber unter der psychologisch wichtigen Marke bei 8000 SMI-Punkten geschlossen. Die kontinuierliche Nachfrage nach einzelnen Standardwerten des so genannten Old-economy-Bereichs habe geholfen, sagte ein Händler. Aber die Orderlage in der Ferienzeit sei einfach dünn gewesen, was einen rechten Handel gar nicht aufkommen ließ. Auch in der kommenden Woche dürfte der Handel ruhig bleiben, sagten Börsianer. Der SMI Index der Standardwerte schloss 5,2 Punkte oder 0,07 % fester bei 7997,8 Zählern.



Paris - CAC-Index schwächer

In Paris präsentierte sich die Börse bei ruhigem Handel schwächer, der CAC-Index für die 40 größten Unternehmen fiel um 1,5 % auf 6416 Punkte. Gewinnmitnahmen belasteten nach Händlerangaben den Telekommunikationsausstatter Alcatel. Die Aktie sank um 3,9 %. Der Automobilhersteller Renault gehörte nach Vorlage seiner Zahlen zu den größten Verlierern und büßte 5,1 % auf 45,50 Euro ein.



Mailand - Mib30-Index im Abwärtstrend

Die Mailänder Börse schloss schwach. Der MIB30-Index sank um 1,2 % auf 45 883 Punkte. Händler sprachen von einem nervösen Geschäft. Gegen die allgemeine Markttendenz konnten sich die Telekomaktien behaupten. Telecom Italia verbesserten sich um 0,15 %. Olivetti erhöhten sich um 0,59 %.



Madrid - Ibex-Index von Zinsängsten belastet

An der Börse in Madrid folgte der Ibex-Index den schlechten Vorgaben und fiel im Zuge von Zinsängsten um 1,55 % auf 10 560,0 Punkte. Im Schlepptau der schwachen Nasdaq brach Börsenschwergewicht Telefonica um 3,55 % auf 23,10 Euro ein. Im Vorfeld der Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen verbilligten sich die Aktien des Abonennten-TV-Senders Socecable um 5,9 %.



Amsterdam- AEX-Index wegen Technologiewerten schwach

An der Amsterdamer Börse haben sich die Kurse schwach aus dem Handel verabschiedet. Der AEX-Index rutschte um 1,25 % auf 664 Punkte. Im Sog der schwachen Nasdaq brachen UPC um neun Prozent auf 27,55 Euro ein. Halbleiterhersteller ASML fielen um 4,1 % und Philips um 3,5 %. Auch die Telekomwerte mussten kräftig Federn lassen. VersaTel stürzten 11,9 % ab, KPN Telecom um 4,7 %. KPNQwest sackten um 10,4 % ab. Händler sagten, der Gesamtmarkt sei nach dem Nasdaq-Rutsch in schlechter Verfassung gewesen.



Wien - ATX-Index etwas leichter

Der Wiener Aktienmarkt hat nach ruhigem Handelsverlauf gegen Sitzungsende nachgegeben und ist leichter ins Wochenende gegangen. Der ATX schloss mit 1139,08 (1142,59) Punkten. Neun Werte gingen höher, elf tiefer und ein Wert unverändert aus dem Markt. Das ATX-Schwergewicht Bank Austria schloss mit 59,80 (60,12) Euro. Weiter von Gerüchten um eine mögliche Zusammenlegung der Aktien profitierten die Brauereititel Brau AG-Union und Österreichische Brau-Beteiligungs-AG (BBAG). Sowohl Brau-Union als auch BBAG gingen mit 52,00 (50,05) Euro beziehungsweise 51,94 (50,40) Euro fester aus dem Markt.



Brüssel - BEL20-Index kaum verändert

Die Börse in Brüssel schloss kaum verändert. Der Bel20-Index zog um moderate 0,01 % auf 3060 Punkte an. Händler sprachen von einem richtungslosen Geschäft bei dünnen Umsätzen. Von 20 gehandelten Standardwerten schlossen elf im Plus, acht im Minus und einer unverändert. Auf der Gewinnerseite ragten die Aktien des Einzelhändlers Colruyt mit einem Aufschlag von 2,5 % auf 43,75 Euro heraus. Händler sagten, dass die Börsianer ihr Kapital aus den Technologieaktien in die Werte der "alten Ökonomie" umgeschichtet hätten.



Stockholm - OMX-Index knapp behauptet

Die Stockholmer Börse hat knapp behauptet geschlossen. Der OMX-Index ging mit einem leichten Minus von 0,07 % auf 1300,32 Punkten aus dem Markt. Die Aktien des finnischen Telekomausrüsters Nokia erholten sich von ihrem Kurseinbruch am Vortag und machten zwölf Kronen auf 397 Kronen wieder gut. Die Papiere waren am Donnerstag wegen einer Gewinnwarnung um 99 Kronen gefallen. Der indexschwergewichtige Konkurrent Ericsson beendete den Handel unverändert auf 172 Kronen.

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