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30.01.2002

20:19 Uhr

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US-Leitzinsen bleiben unverändert

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen, aber zugleich vor Risiken einer weiteren wirtschaftlichen Abschwächung gewarnt.

rtr WASHINGTON. Der für die Höhe der Kreditzinsen maßgebliche Zielsatz für Tagesgeld liegt damit weiter bei 1,75 %, dem niedrigsten Niveau seit vierzig Jahren. In ihrer Erklärung betonte die Notenbank, dass trotz verbesserter Aussichten die Konjunkturschwäche und nicht die Inflation weiter als Hauptgefahr für die weltgrößte Volkswirtschaft anzusehen sei. Analysten sagten, damit halte sich die Fed die Tür für zumindest eine weitere Leitzinssenkung offen. Aktien und Dollar reagierten mit Kursgewinnen.

"Die Aussichten für eine konjunkturelle Erholung sind vielversprechender geworden", teilte die Fed nach den zweitägigen Beratungen ihres geldpolitischen Ausschusses mit. Die wachstumshemmenden Faktoren der vergangenen Monate würden allmählich abnehmen. Dennoch gebe es noch immer Unsicherheiten im Hinblick auf die Stärke der Investitionsnachfrage und der Verbraucherausgaben. Ebenfalls am Mittwoch hatte das US-Handelsministerium zuvor mitgeteilt, dass die US-Wirtschaft im Schlussquartal 2001 überraschend um 0,2 % gewachsen war nach einem Rückgang um 1,3 % im Vorquartal. Einer der wesentlichen Wachstumsmotoren waren dabei die Konsumausgaben, die um mehr als fünf Prozent angestiegen sind. Die Daten hatten an den Finanzmärkten Erwartungen eines raschen Endes der Rezession in den USA verstärkt.

Bereits nach dem vergleichsweise optimistischen Konjunkturausblick von Fed-Chef Alan Greenspan in der vergangenen Woche hatten Analysten zuletzt nahezu übereinstimmend mit unveränderten Leitzinsen gerechnet. Greenspan hatte bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats von ersten Anzeichen einer Konjunkturbelebung und von einem Wendepunkt der Wirtschaft gesprochen. Zur Unterstützung der seit März 2001 in einer Rezession steckenden US-Wirtschaft hatte die Fed im vergangenen Jahr die Leitzinsen in elf Schritten um 475 Basispunkte heruntergeschraubt.

Ein Ende dieses Zinssenkungszyklus ist Experten zufolge nach der Erklärung der Fed noch nicht erkennbar. Sie werteten die Warnung der Fed vor weiteren Risiken vielmehr als Signal für die Bereitschaft der Notenbank, im Falle einer nur zögerlichen Belebung der Konjunktur die Leitzinsen doch noch einmal zu senken. "Die wichtigste Nachricht ist, dass sie die Neigung zu Zinssenkungen beibehalten haben", sagte Dominic Constam von Credit Suisse First Boston in New York. Auch Wayne Ayers, Chefvolkswirt von FleetBoston Financial, hält eine weitere geldpolitische Lockerung für möglich. Die Fed werde aber zunächst abwarten, wie stark sich die Konjunktur im Jahresverlauf erholen werde, sagte Ayers. Mit einer Zinserhöhung rechnen die Analysten dagegen noch nicht so bald. "Die Erholung ist noch so schwach, dass die Fed dieses Jahr die Zinsen nicht anheben muss", betonte Robert Macintosh von Eaton Vance Management. Das nächste Fed-Zinstreffen ist am 19. März 2002.

An den US-Aktienmärkten führte die Entscheidung der Fed zu Kursgewinnen. Der Dow-Jones-Index baute seine Gewinne auf über ein Prozent aus. Auch der Dollar legte wie bereits nach der Veröffentlichung der Wachstumszahlen zu. Der Euro fiel um rund ein Viertel US-Cent auf Kurse knapp über 0,86 Dollar. Die Kurse der US-Staatsanleihen gaben vorübergehend leicht nach.

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