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31.01.2003

09:49 Uhr

US-Luftfahrtkonzern profitiert von steigenden Rüstungsausgaben

Boeing braucht verstärkten Schub

VonKatharina Kort

Der zivile Flugzeugbau macht dem Luftfahrtkonzern Boeing zu schaffen. Zahlreiche Aufträge wurden storniert. Hoffnung sieht Boeing bei Rüstungsgütern, die 2002 fast die Hälfte des Umsatzes ausmachten.

NEW YORK. Die Krise vieler Fluggesellschaften belastet vor allem das zivile Luftfahrt-Geschäft von Boeing Co. Die Kunden des Luft- und Raumfahrtkonzerns aus Chicago haben viele ihrer Maschinen in der Wüste geparkt und die Aufträge für neue Flugzeuge zurückgestellt oder ganz storniert. Die Folge: Boeing streicht massiv Stellen und fährt die Produktion drastisch zurück. Insgesamt 30 000 Mitarbeiter hat der Konzern im Bereich zivile Luftfahrt entlassen. 5 000 weitere Jobs sollen in diesem Jahr wegfallen.

Zwar hat das Unternehmen seinen Gewinn im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr von 100 Mill. $ auf 590 Mill. $ gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten erfüllt. Der Vergleich fällt jedoch nur deshalb so gut aus, weil Boeing im Vorjahr 622 Mill. $ im Zusammenhang mit den Terroranschlägen des 11. September abgeschrieben hat. Bereinigt um Abschreibungen fiel der Gewinn um 571 Mill. $. Für das gesamte Jahr schrumpfte der Gewinn auf 2,3 (2,8) Mrd. $. Auch der Umsatz fiel mit 54,1 (58,2) Mrd. $ deutlich niedriger aus, und die Aussichten für das laufende Jahr sind gleichfalls trüb: Der Konzern hat die Umsatz- und Gewinnerwartungen nach unten geschraubt.

Eine Ohrfeige erhielt Boeing auch aus Übersee: Im Jahr 2002 hat der europäische Konkurrent Airbus - vor allem dank des Großauftrags über 120 Flugzeuge für Billigflieger Easyjet - erneut mehr Aufträge. Für das laufende Jahr rechnet Airbus mit 300 Auslieferungen, sofern sich die Marktlage nicht noch weiter verschlechtert. Boeing geht nur von 275 bis 285 Flugzeuglieferungen aus.

Doch Grund zum Feiern hat derzeit keiner der beiden, meint Robert Friedman, Analyst bei Standard & Poor?s: "Die Kunden bestimmen derzeit den Preis." Um ihren Marktanteil halten zu können, müssten die Hersteller viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken.

Um weniger von den Schwankungen im zivilen Luftfahrtgeschäft abhängig zu sein, setzt Boeing seit einigen Jahren verstärkt auf das Rüstungsgeschäft. Der Konzern machte 2002 mit 25 Mrd. $ fast die Hälfte des Umsatzes im Rüstungsbereich. Damit geht die Rechnung zumindest zum Teil auf. "Ohne die Rüstungssparte hätte Boeing richtige Probleme", sagt Analyst Friedman.

Boeing profitiert wie andere Rüstungshersteller von den gestiegenen Militärausgaben der US-Regierung und steht an zweiter Stelle der staatlichen Aufträge. Washington wird in diesem Jahr 355 Mrd. $ für Beschaffung, Forschung und Entwicklung ausgeben, 35 Mrd. $ mehr als 2002.

In der kommenden Woche wird in Washington der Haushalt für das kommende Jahr vorgestellt. George Shapiro, Analyst der Investmentbank Salomon Smith Barney, geht davon aus, dass der Kongress für das Jahr 2004 eine Erhöhung der für die Industrie wichtigen Ausgaben um weitere 25 Mrd. $ bewilligen wird. Im kommenden Jahr könnten die Ausgaben wegen der anstehenden Wahlen dagegen moderater ausfallen, schätzt Shapiro. Friedman von Standard & Poor?s schätzt, dass die für die Rüstungsindustrie relevanten Ausgaben in den kommenden 7 bis 10 Jahren inflationsbereinigt um 2 % bis 4 % zulegen werden.

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