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23.03.2003

22:02 Uhr

US-Militär beginnt mit Abzug

Bush warnt Türkei vor Einmarsch

Nachdem die USA ihre Pläne für den Aufbau einer Nordfront gegen den Irak fallen gelassen haben, hat US-Präsident George W. Bush die Türkei eindringlich vor einem Einmarsch in den Nordirak gewarnt. Die amerikanische Haltung sei da sehr klar, sagte Bush am Sonntag.

HB/dpa ISTANBULI/WASHINGTON. Ein möglicher Einmarsch türkischer Soldaten hat auch in Berlin und Brüssel Besorgnis ausgelöst. Dagegen machte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan deutlich, dass Ankara an seinen Plänen zur Entsendung eigener Truppen festhalte.

"Die türkische Militärpräsenz (im Nordirak) wird sowohl für die Türkei wie für die Region ein Sicherheits- und Stabilitätsfaktor sein", sagte Erdogan am Sonntagabend in einer Fernsehansprache. Der Türkei gehe es darum, in einem "begrenzten Streifen jenseits der irakischen Grenze" Flüchtlingsströme zu kontrollieren, den Flüchtlingen "wirksame humanitäre Hilfe" zukommen zu lassen und gegen die Sicherheit der Türkei gerichtete "Provokationen" zu verhindern.

Türkischer Generalstab dementiert Medienberichte

Medienberichte, wonach 1000 türkische Soldaten in irakisches Grenzgebiet eingerückt seien, hatte der türkische Generalstab am Samstag dementiert. Ziel der türkischen Irak-Politik ist es, das Einsickern von Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und die Gründung eines unabhängigen Kurdenstaates im Nachbarland zu verhindern. Bush versicherte der Türkei, dass die USA mit den Kurden zusammenarbeiteten, um sicherzustellen, dass es zu keinem "Zwischenfall" komme, der von der Türkei als Grund für einen Einmarsch betrachtet werden könnte.

Nachdem das türkische Parlament die Stationierung von US-Truppen für eine Nordfront abgelehnt hat, mehrten sich im Südosten der Türkei am Sonntag die Anzeichen für einen baldigen Abzug des US-Militärs. Dort hatten die Amerikaner in den vergangenen Wochen in einem rund 600 Kilometer langen Korridor vom Mittelmeerhafen Iskenderun bis zur irakischen Grenze mit dem Aufbau von Logistik- und Versorgungsstützpunkten begonnen.

Washington gibt keine Finanzhilfen mehr

Im Mittelmeer wartende US-Kriegsschiffe und Frachter wurden inzwischen auf Anweisung aus Washington über den Suezkanal nach Kuwait umdirigiert, wie türkische Medien berichteten. Ursprünglich hatte die in Texas stationierte 4. US-Infanteriedivision ihre Ausrüstung in der Türkei übernehmen und von dort eine Offensive gegen Nord-Irak beginnen sollen.

Das türkische Parlament hatte den USA zunächst den Ausbau von Stützpunkten und Häfen gestattet, die Stationierung von 62 000 US- Soldaten sowie mehr als 300 Flugzeugen und Hubschraubern dann aber abgelehnt. Washington zog daraufhin zugesagte Finanzhilfen in Milliardenhöhe zurück. Um das Geld, mit dem die Auswirkungen des Krieges auf die krisenanfällige türkische Wirtschaft abgemildert werden sollte, hatten Washington und Ankara wochenlang zähe Verhandlungen geführt.

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