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10.01.2003

07:27 Uhr

US-Pharmakonzern stehen hohe Schadenersatzzahlungen ins Haus

Bristol-Myers kommt nicht zu Ruhe

Bristol-Myers Squibb, der drittgrößte US-Pharmakonzern, schlittert tiefer in die Krise: In Europa nimmt der Konzern ein Medikament gegen Depressionen wegen des Verdachts auf gefährliche Nebenwirkungen vom Markt. Nach den jüngsten Rückschlägen kommen auf Bristol jetzt auch Schadenersatzforderungen zu.

bef DÜSSELDORF. Auf den US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb (BMS) kommen möglicherweise erneut starke finanzielle Belastungen wegen eines Medikaments gegen Depressionen zu. Das Unternehmen hat das Präparat Dutonin wegen des Verdachts auf starke Nebenwirkungen in Europa vom Markt genommen. Jetzt kommen Schadenersatzklagen in den USA auf den Konzern zu: Nach Aussage von Anwälten haben Patienten, die das dort unter dem Namen Serzone vertriebene Antidepressivum über längere Zeit eingenommen haben, BMS verklagt.

Dutonin soll Leberschäden hervorrufen, die in 18 Fällen weltweit auch zum Tod der Patienten geführt hätten. In den USA will BMS Serzone vorerst weitervermarkten. Doch wird das dem Konzern nicht viel nutzen: Vergleichbare Fälle haben gezeigt, dass nach Vermarktungsstopps in bestimmten Regionen auch der Verkauf im Rest der Welt einbricht.

Der Umsatzverlust ist für BMS nicht das größte Problem: Mit Serzone/Dutonin hat der Konzern 2001 rund 410 Mill. $ umgesetzt, etwas weniger als 10 % davon kamen vom europäischen Markt. Schon in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres ist der Umsatz mit dem Mittel zurückgegangen. Grund: Die Konkurrenz bei den Antidepressiva ist groß, das umstrittene Medikament von BMS war deshalb weniger verschrieben worden.

Schwerer dürften den drittgrößten US-Pharmahersteller daher mögliche Schadenersatzansprüche treffen. "Wir haben vermutlich schon 1 000 Klienten in diesem Fall", sagte der Chicagoer Anwalt Michael O?Meara dem "Wall Street Journal". Er geht davon aus, dass sich nach der Rücknahme in Europa auch US-Behörden wieder stärker mit der Wirkung und Nebenwirkung des Mittels beschäftigen werden.

Die Probleme mit Serzone/Dutonin sind für BMS erneut ein herber Rückschlag - der Konzern steht von vielen Seiten unter Druck. Vor allem Bilanztricks haben seinem Ansehen geschadet: BMS hat die Umsätze in den vorigen Jahren mit Hilfe hoher Rabatte künstlich aufgebläht. Nach einer Untersuchung der Börsenaufsicht SEC entschied sich der Konzern, seine Bilanzen für 2002 und 2001 zu korrigieren und mehr als 2 Mrd. $ Umsatz neu zu verbuchen. Davon sind auch die Ertragszahlen betroffen.

Das BMS-Management um Vorstandschef Peter Dolan kämpft seit Monaten an vielen Fronten: Nach dem Patentauslauf des langjährigen Bestsellers Glucophage fehlt auf absehbare Zeit Ersatz für diesen Umsatzbringer. Um die Verkäufe bei den Mitteln Buspar und Taxol zu sichern, soll BMS mehrere Hersteller von Nachahmermitteln unrechtmäßig vom Markt ferngehalten haben - ein außergerichtlicher Vergleich in diesem Fall kostet den Konzern 670 Mill. $.

Angesichts der vielen Probleme fragen sich Investoren in den USA, wie lange sich das BMS-Management noch halten kann. Als Übernahmekandidat wird der Konzern in der Branche seit längerem gehandelt.

Quelle: Handelsblatt

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