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10.07.2000

11:24 Uhr

US Postal contra Telekom

Tour de France: Duell der Giganten

Der eine verschickt Briefe, der andere Informationen. Der eine sponsort das Team des Tour-Siegers von 1999, der andere das des Gewinners von 1997. Bei der 87. Tour de France stammen die Top- Favoriten Jan Ullrich und Lance Armstrong zugleich aus den Rennställen mit den wirtschaftlich bedeutendsten Sponsoren.

Kopf an Kopf: Die Konkurrenten

Kopf an Kopf: Die Konkurrenten

dpa Dax. Deutsche Telekom und US-Postal Service verbindet nicht nur der Wunsch, auch in diesem Jahr wieder ihren Mannschaftskapitän auf dem Siegertreppchen in Paris zu sehen. Beide Sponsoren waren es auch, die in ihren jeweiligen Ländern den Radsport systematisch aufwerteten.

"Wir versuchen, das explosionsartig gewachsene Interesse am Radsport in den USA mit Wettbewerben und Info-Veranstaltungen auf- und auszubauen", sagt Margot Myers. Die Pressesprecherin des mit über 850 000 Beschäftigten zweitgrößten zivilen Arbeitgebers der USA (nach der Supermarktkette Wal-Mart) bezeichnet das Engagement von US Postal im Radsport als Glücksfall - und den Sieg von Lance Armstrong 1999 als Durchbruch. "Allein in den USA hat Lance im vergangenen Jahr mehr als 60 Mill. $ an Werbeeinnahmen eingebracht", erklärt Dan Osipow, der fürs US Postal-Radteam zuständige Manager.

Armstrongs persönliche Begleitumstände - sein Tour-Sieg krönte einen menschlichen Sieg über die Krebserkrankung - machten ihn zu einem Prototypen des "American dream" vom willensstarken Power- Menschen. Auch wenn die Tour de France in den USA bei weitem nicht den Rang des Superbowl hat, so war doch Armstrong für die Marketing- Strategen als Sympathieträger so etwas wie ein Volltreffer im Lotto. "Ähnlich wie Jan Ullrichs Team Telekom ist die Equipe der US Postal in den USA heute so etwas wie eine Nationalmannschaft - etwas, das nationalen Stolz auslöst", sagt Osipow.

Die auf einen Börsenwert von 180 Mrd. Euro taxierte Telekom wirft ebenso wie der Postal Service ihr wirtschaftliches Gewicht in die Waage, um den Radsport publik zu machen. Umgekehrt profitieren beide davon. "Für jeden investierten Dollar kommt beim US Postal Service mittlerweile das Vierfache an Einnahmen zurück", verrät Osipow. Auf einen Umsatz von 67 Mrd. $ (120 Mrd. DM) kam 1999 die US Postal mit ihren 40 000 Postämtern, auf 15,3 Mrd. Euro (30 Mrd DM) die Telekom mit ihren 173 000 Mitarbeitern. Ihr Radsport-Team lassen sich die Amerikaner jährlich sechs Millionen Dollar kosten. Die Telekom spricht nach eigenen Angaben nicht über Geld, ist aber nach Schätzungen mit 18 Mill. DM dabei. Es sind angesichts der Werbewirksamkeit der Teams relativ bescheidene Summen.

Denn in kaum einem anderen Sport - Hochsee-Regatten und Formel 1 ausgenommen - werden die Namen der Sponsoren öffentlich so häufig werbewirksam im Zusammenhang mit dem Team-Gedanken ins Bild gerückt. "Das Team passt zu uns und wir zu ihm" brachte es Telekom-Chef Ron Sommer auf den Punkt. Die Telekom könnte von ihrem Engagement im Radsport sogar bei einer Übernahme des US-Unternehmens Sprint profitieren. Denn die US Postal bereitet ihr - unfreiwillig - mit Prospekten und großen Informations-Kampagnen rund um die Tour den Weg beim Ausbau ihres Bekanntheitsgrades. Als Herausforderer von Lance Armstrong ist Ullrichs Deutsche Telekom in den USA ein Begriff.

Seit zwei Jahren gibt es mit der französischen Großbank Credit Agricole bei der Tour de France einen weiteren Groß-Sponsor, der mit seinen 93 000 Mitarbeitern eine Bilanzsumme von 9,3 Mrd. Euro repräsentiert. Mit einem Jahresbudget von 30 Mill. Franc (neun Mio DM) finanziert er ein Rad-Team, dessen sportliche Leistung sich ebenfalls kaum zu verstecken braucht. Jedoch blieb der Erfolg bisher nur virtuell: Einer seiner großen Leistungsträger, der Berliner Jens Voigt, fuhr zwar den Preis für den besten Kampfgeist ein, scheiterte bisher aber beim Kampf ums Gelbe Trikot ganz knapp an der Konkurrenz.

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