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14.01.2003

07:58 Uhr

US-Regierung und Konzerne planen bereits Nutzung der Vorkommen

Nach Saddams Sturz soll Iraks Ölförderung mehr als verdoppelt werden

Nach einem Bericht des Wall Street Journals verhandeln Abgesandte der Bush-Regierung, des US-Verteidigungsministerium und des US-Außemninisteriums bereits mit Vertretern der Ölindustrie über die Nutzungsmöglichkeiten der ergiebigen Irak-Ölfelder nach einem möglichen Feldzug gegen das Land. Als Quelle werden informierte Kreise genannt.

bba NEW YORK. Nach Saudi Arabien verfügt der Irak über die größten Ölreserven weltweit. Trotz teilweiser Zerstörung der Infrastruktur produziert das Land bereits heute 2,8 Mill. Barrel Öl pro Tag. Mit zusätzlichen Investitionen könnte diese Mange mehr als verdoppelt werden. Wegen dieser reichhaltigen Vorkommen winken den internationalen Ölfirmen ungeahnte Geschäftsmöglichkeiten. Voraussetzung: Hussein wird gestürzt und das Uno-Embargo fällt. Wie eine Studie der Deutschen Bank zeigt, würde der Fall des Uno-Embargos zu einer Öffnung der irakischen Ölfelder führen. Davon würden aber nicht unbedingt amerikanische Firmen profitieren.

Nach dem möglichen Fall von Hussein würden bei der Ölförderung zunächst einmal solche Unternehmen zum Zuge kommen, die die heruntergekommene Ölwirtschaft des Landes wieder flott machen. Danach könnten beispielsweise das US-Energieunternehmen Halliburton Co., bei dem der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney einmal Chef war, oder der amerikanische Industriekonzern Schlumberger Ltd. Verträge in Höhe von 1, 5 Mrd. $ abschließen, um die Förderung an den bestehenden Einrichtungen auszubauen, wie die Deutsche Bank in ihrer Studie belegt.

Wie Industrievertreter melden, hat die US-Regierung großes Interesse daran, die irakischen Ölfelder wieder aufzubauen. Kenner der Ölbranche erklärten, bei dem informellen Treffen zwischen Vertretern von US-Ölfirmen wie Exxon Mobil, Chevron Texaco und ConocoPhilips sowie Halliburton gemeinsam mit dem US-Vizepräsident Cheney sei es um den Wiederaufbau und die Förderung der Ölindustrie im Irak gegangen. Das Treffen wurde von den Teilnehmern allerdings dementiert.

Sollte Hussein bei einer Niederlage die Ölfelder in Brand setzen, würden sich Baufirmen wie die US-Beteiligungsgesellschaft Bechtel Group am Wiederaufbau beteiligen. Weitere Gewinner einer Öffnung im Irak wären laut Deutsche-Bank-Studie aber auch Öldienstleister wie Baker Hughes, BJ Services und Weatherford International. Ebenfalls für den Fall, dass die USA den Sieg davon trägt, würden Chevron Texaco und Exxon Mobil über eine gute Startposition verfügen. Bleibt der Diktator allerdings an der Macht, dann profitieren unter anderem Firmen wie China National Petroleum und der russische Konzern Lukoil, da sie mit Hussein Ölförderungsverträge abgeschlossen haben. Mit der französischen TotalFina Elf und der italienischen Eni hat der Diktator bereits Absichtserklärungen für künftige Geschäfte unterzeichnet.

Quelle: Wall Street Journal

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