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21.03.2003

12:41 Uhr

US-Regierungskreise

Bush startete den Krieg mit den Worten „Let's go“

US-Präsident George W. Bush blieben nach Informationen aus hohen US-Regierungskreisen noch genau drei Minuten, um über den Beginn des Irak-Krieges zu entscheiden. Es war kurz nach ein Uhr (MEZ) in der Nacht zum Donnerstag. Und der Oberkommandierende der US-Truppen in der Golfregion, Tommy Franks, hatte Bush gesagt, er müsse bis 1.15 Uhr den Einsatzbefehl geben, wenn ein Gebäudekomplex in Bagdad bombardiert werden sollte, in dem hochrangige Mitglieder der irakischen Führung vermutet wurden.

Reuters WASHINGTON. "Let's go", soll Bush schließlich um 01.12 Uhr gesagt haben, um die Luftangriffe auf Bagdad in Gang zu setzen. Das berichten hochrangige Regierungsvertreter, die nicht genannt werden wollen.

Auf Grund jüngster Geheimdienstinformationen glaubten der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, dass die irakische Führung ins Fadenkreuz der US-Militärs gebracht werden könne. Möglicherweise auch Präsident Saddam Hussein. Auf Betreiben Tenets und Rumsfelds berief Bush den Informationen zufolge das Kriegskabinett zur einer Dringlichkeitssitzung im Oval Office zusammen. Mehr als drei Stunden dauerte die Sitzung.

In dieser Zeit soll Bush, so berichteten Berater, jedes Mitglied seines Stabs im Raum einzeln nach seiner Empfehlung befragt haben. Über eine telefonische Standleitung habe er im ständigen Kontakt mit dem Oberkommendierenden Franks gestanden. Nachdem alle Gefragten sich für einen Angriff ausgesprochen hatten, gab Bush den Befehl: "Let's go". Zu diesem Zeitpunkt waren die Kampfjets der US-Luftwaffe bereits in der Luft, um bei einer Zustimmung Bushs sofort losschlagen zu können. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass Saddam Hussein bei dem Bombardement getroffen wurde.

In der Sitzung habe Rumsfeld Franks Teile von Bushs Fernsehansprache vorgelesen, mit der der Präsident rund drei Stunden später den Beginn des Krieges bekannt geben sollte. Damit habe er sicherstellen wollen, dass Bush die geplanten Militäroperationen richtig darstelle, sagten Berater.

Die konkreten Vorbereitungen zum Angriff Iraks waren am Mittwochmorgen Washingtoner Zeit mit einer Sitzung im Weißen Haus angelaufen. Berater beschrieben Bush als vollständig vertieft in die Kriegsplanung. Trotz der angespannten Lage betrieb Bush naber ach Berichten aus seinem Umfeld an diesem Morgen wie jeden Tag seinen Sport. Per Videokonferenz waren die neun Kommandanten der in der Golf-Region stationierten US-Soldaten zugeschaltet. Bush, so berichteten Berater, habe jeden von ihnen einzeln angesprochen.

Als Franks auf dem Luftwaffenstützpunkt "Prince Sultan" in Saudi-Arabien den falschen Knopf auf dem Übertragungsgerät drückte und der Ton kurzzeitig ausblieb, löste sich die Anspannung. "Keine Angst, Tommy, ich habe nicht das Vertrauen in dich verloren", sagte Bush den Angaben zufolge. Wenig später gab er den Befehl, die Militäroperation gegen Irak in Gang zu setzen. "Im Namen des Weltfriedens und zum Wohle und für die Freiheit des irakischen Volkes gebe ich hiermit den Befehl, die Operation "Irakische Freiheit' auszuführen", sagte Bush. Das war zwölf Stunden bevor das Ultimatum an Saddam Hussein zum Verlassen des Landes auslief.

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