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23.01.2001

12:15 Uhr

US-Sender übertragen Kriminalfälle ins Wohnzimmer

Court TV verdient an Sensationsprozessen

"Tod in Nevada - die wahre Horrorstory von Sandy Murphy. Gleich geht?s weiter!", kündigt der Sprecher von "Court TV" mit beschwörender Stimme an.

kk NEW YORK. In der Pause läuft Werbung für Rechtsversicherungen und Sicherheitsanlagen, dann folgt die Entscheidung: Die Jury erklärt Murphys Freundin Judy für schuldig, ihren Freund, einen Millionär aus Las Vegas, kaltblütig ermordet zu haben. Judy bricht in Tränen aus.

In den USA dürfen Fernsehsender - mit Genehmigung des zuständigen Richters - direkt vom Prozess in die Wohnzimmer senden. Das tut beispielsweise Court TV, ein Spartenkanal von Time Warner und Liberty Media. Auch CNN überträgt wichtige Prozesse live. So berichtete CNN 1995 aus dem Gerichtssaal über den Prozess gegen O. J. Simpson und auch über den Prozess in Den Haag gegen Kriegsverbrecher aus Ex-Jugoslawien.

Auch Court TV übertrug beide Ereignisse ausführlich. Vor allem mit dem Simpson-Prozess machte sich der 1991 vom Herausgeber des American "Lawyer Magazine", Steven Brill, gegründete Sender einen Namen. Die Einschaltquoten erreichten in der Spitze 400 000 Zuschauer.

Doch kaum war das Simpson-Urteil gesprochen, brachen die Zuschauerzahlen ein. Der Sender hatte kein Konzept, um Zuschauer auch ohne Sensationsprozesse anzulocken. "Unter normalen Umständen sind Fälle wie Simpson selten", räumte der Chef von Court TV, Henry Schleiff im Dezember gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Fortune" ein.

Daher hat der 24-Stunden-Gerichtskanal sein Angebot mit krisensichereren Sendungen erweitert: "Crime Stories" bringt Hintergründe über Kriminalfälle. "Hollywood & Crime" sucht Fälle, in denen Kino-Stars mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In "Mug Shots" - Polizei-Fotos - wird das Leben von Mördern und Opfern in Szene gesetzt. Hinzu kommen tägliche Krimi-Serien.

Anscheinend geht die Strategie auf: In den vergangenen drei Jahren sind die Zuschauerzahlen wieder um 300 % gestiegen. Mittlerweile hat Court TV 50 Millionen Abonennten. Und derzeit gibt es auch wieder Prominente im Gerichtssaal: Erst letzten Freitag befand die Jury den ehemaligen Profi-Football-Spieler Rae Carruth von den Carolina Panthers vor laufender Kamera für schuldig, den Mord seiner schwangeren Freundin angeordnet zu haben. Und der Prozess gegen den Rap-Sänger Puff Daddy, der in einem New Yorker Club um sich geschossen haben soll, steht diese Woche an. Allerdings müssen die Kameras diesmal draußen bleiben.

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