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30.01.2003

08:13 Uhr

US-Währung wird nach wie vor vom Irak-Konflikt belastet

Snows Dollar-Bekenntnis lässt Märkte kalt

VonRegine Palm

Das lang erwartete Bekenntnis des designierten amerikanischen Finanzministers John Snow zur Politik des starken Dollars ist an den Märkten nahezu verpufft. Experten bezweifeln, dass den Worten auch Taten folgen. Die aktuelle Schwäche des Dollars komme den USA schließlich nicht ganz ungelegen.

DÜSSELDORF. Große Worte, kleine Wirkung: Die Akteure an den Devisenmärkten kümmerten sich gestern recht wenig um die Aussage des designierten neuen US-Finanzministers John Snow, der einen starken Dollar "im nationalen Interesse" sieht. Die amerikanische Währung blieb an den Märkten weiter unter Druck. Der Euro steuerte zeitweise erneut die wichtige Marke von 1,09 $ an.

Nehmen die Märkte die Regierungsäußerungen nicht ernst? Zumindest gibt es Zweifel. Thorsten Polleit, bei Barclays Capital in Deutschland für Economics and Strategy verantwortlich, glaubt zwar, dass die USA nicht von ihrer Grundhaltung abrücken werden. "Die Amerikaner haben in den letzten Jahren gesehen, dass wirtschaftliches Wohlergehen auch mit einem starken Außenwert verbunden war", sagt er. Doch komme die Dollarschwäche den USA derzeit nicht ungelegen; temporär werde diese "billigend hingenommen". Ein niedrigerer Dollarkurs wäre den USA im Hinblick auf das enorme Handelsbilanzdefizit von Nutzen. Hintergrund: Der schwache Dollar verbilligt US-Exporte, verteuert Importe, was sich tendenziell ausgleichend auf die Handelsbilanz auswirkt.

An einer "dauerhaften Abschwächung des Dollars" sind die USA nach Ansicht Polleits aber sicher nicht interessiert. Auch Ulrich Beckmann, Leiter des Research Büros der Deutschen Bank, sagt, dass es zurzeit im Interesse der Amerikaner ist, einen etwas schwächeren Dollarkurs zu haben. Die Äußerungen könnten als eine Art "Lippenbekenntnis" gewertet werden, das so nicht unerwartet kam.

Fraglich ist gleichwohl, wie die amerikanische Regierung ihren Äußerungen mehr Gewicht verleihen könnte. "Keine aktiven Aktionen" erwartet Bastian Hepperle, Volkswirt bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB). Möglichen Spekulationen über Interventionen zur Stärkung des US-Dollars erteilt der Experte allerdings eine klare Absage. In der Vergangenheit hätten sich die USA auf die "Marktkräfte" verlassen. Dies zeigten auch die Devisenbestände der US-Notenbank, da bewege sich kaum etwas.

Robert Sinche brachte es auf den Punkt: "Ein Finanzminister hat die Pflicht, einen starken Dollar zu unterstützen. Dies hat Snow getan", sagte der Devisenstratege der Citibank gegenüber Bloomberg. Ansonsten hätte Snow riskiert, Instabilität an den Märkten auszulösen.

Weit mehr Aufmerksamkeit als die Diskussion um die US-Devisenpolitik widmen die Investoren weiterhin dem drohenden Krieg im Irak. Stephen L. Jen von Morgan Stanley weist jedoch darauf hin, dass die Märkte aber mit der Zeit noch realisieren würden, dass in den Äußerungen Snows eine minimale Hinwendung in Richtung einer "neutralen" Position zum Dollar enthalten war - dies könnte bedeuten, dass die US-Regierung von ihrer Linie eines starken Dollars leicht abrückt.

Ungeachtet des Bekenntnis zum starken Dollar rechnen die Experten überwiegend mit einem festen Euro - zumindest wird längerfristig keine starke Abschwächung des Euros erwartet. Das Deutsche Bank Research prognostiziert unverändert, dass der Euro bis Jahresende auf 1,15 $ steigen wird. Beckmann schließt dabei allerdings nicht aus, dass sich der Dollar mit Beginn eines Krieges im Irak kurz befestigen könnte.

Die WestLB nimmt bei ihrer Prognose an, dass ein Krieg im Irak nicht allzu lange dauern wird. Danach werde relativ schnell eine "Entspannung auf den Finanzmärkten" zu beobachten sein, meint Hepperle. Der aktuelle Kurs beinhalte beim Dollar einen "Risikoabschlag angesichts der globalen Unsicherheiten", sagt Hepperle. Dieser Abschlag sei allerdings nur schwer zu quantifizieren. Auf Drei- bis Sechs-Monatssicht sollten Dollar und Euro auf dem Niveau der Parität notieren. Auf Jahressicht werde der Euro auf 1,05 $ steigen, da die strukturellen Probleme in den USA dann wieder stärker in den Vordergrund rückten.

Barclays-Experte Polleit setzt dagegen nach wie vor auf den Dollar. Zurzeit sei es ein "politischer Markt". Grundsätzlich spielten aber beim Wechselkurs "Renditeerwartungen eine entscheidende Rolle". Auf Sicht von zwölf Monaten sieht er den Euro bei 0,90 $.

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