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04.01.2008

20:52 Uhr

US-Wahl-Special

Obama und das „Anti-Washington-Votum“

Im Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hat der schwarze Senator Barack Obama seiner schärfsten Rivalin Hillary Clinton eine herbe Niederlage verpasst.

Der Demokrat Barack Obama (l.) und Republikaner Mike Huckabee sind aus der ersten Kandidatenkür in Iowa erfolgreich hervorgegangen. dpa

Der Demokrat Barack Obama (l.) und Republikaner Mike Huckabee sind aus der ersten Kandidatenkür in Iowa erfolgreich hervorgegangen.

HB DES MOINES/MANCHESTER. Beim Auftakt der Vorwahlen setzte sich der 46-Jährige in Iowa deutlich gegen die ehemalige First Lady durch und sorgte damit für eine faustdicke Überraschung, zumal Clinton auch noch hinter dem früheren Südstaaten-Senator John Edwards nur auf Platz drei landete. Auf der 60-Jährigen, die lange als klare Favoritin galt, lastet nun immenser Druck, die nächste Etappe am Dienstag in New Hampshire zu gewinnen. Anderenfalls steht es schlecht um ihre Chance, zur Kandidatin gekürt zu werden und im November für die Demokraten bei der Wahl des Nachfolgers von Präsident George W. Bush anzutreten.

Auch bei den Vorwahlen der Republikaner gab es einen überraschenden Gewinner: Der vor wenigen Wochen noch nahezu unbekannte Baptistenprediger Mike Huckabee sackte am Donnerstag einen Sieg in Iowa ein und schlug den Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, unerwartet klar.

Amerika stehe vor einem Wechsel, rief Obama Tausenden jubelnden Anhängern in Des Moines zu, nachdem das Ergebnis der Abstimmung in dem Agrarstaat feststand. Der Senator aus Illinois erhielt 38 Prozent der Stimmen, Edwards kam auf 30 Prozent, einen Punkt dahinter folgte Clinton. „Ich denke, das war ein Omen für das, was im ganzen Land passieren wird“, sagte Obama am Freitagmorgen auf seinem Weiterflug von Iowa ins etwa 2000 Kilometer entfernte New Hampshire.

Auch die anderen Bewerber läuteten in dem Ostküsten-Staat die nächste Runde des Vorwahlmarathons ein. Huckabee sagte, er wisse, dass es schwer werde, seinen Erfolg zu wiederholen. „Aber wer weiß, vielleicht schaffen wir's.“ Seinen Sieg in Iowa feierte er zuvor als Anbruch eines neuen Tages in der US-Politik. „Heute haben wir bewiesen, dass die amerikanische Politik noch in den Händen von Leuten wie Ihnen liegt“, rief der frühere Gouverneur von Arkansas seinen Wählern zu. Er erzielte 34 Prozent der Stimmen, acht Punkte mehr als der Multimillionär Romney, der deutlich mehr Geld in den Wahlkampf gesteckt hatte. Abgeschlagen dahinter rangierten der Senator John McCain und der frühere Schauspieler Fred Thompson. New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani hatte sich in Iowa wegen seiner für einen Republikaner vergleichsweise liberalen Einstellungen ohnehin kaum Chancen ausgerechnet. Huckabee konnte hingegen gerade bei strenggläubigen Wählern punkten. In New Hampshire dürfte er es aber schwerer haben, da dort weniger Evangelikale leben.

Obama überzeugte vor allem junge Wähler, aber er schaffte es auch, mehr Frauen als Clinton mitzureißen. Der Sohn eines Kenianers und einer weißen US-Bürgerin gewann zudem in einem Bundesstaat, in dem weniger als drei Prozent der Bevölkerung Schwarze sind. Obama wäre der erste farbige Präsident der USA.

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