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06.02.2003

10:00 Uhr

US-Weltraumbehörde arbeitet unter Hochdruck

NASA rekonstruiert Columbia-Absturz

Die US-Weltraumbehörde NASA hat am Mittwoch mit einer Rekonstruktion der zeitlichen Abfolge technischer Ausfälle begonnen, die zum Absturz der Raumfähre "Columbia" geführt haben könnten.

Reuters WASHINGTON. Die Ingenieure "konzentrieren sich massiv auf den Bereich des linken Flügels und versuchen die zeitliche Abfolge der Ausfälle am linken Flügel zu rekonstruieren", sagte ein NASA-Sprecher. Dabei ging es auch um die Frage, ob die NASA frühere Signale für Ausfälle dort unterschätzt hat, wie Kritiker meinen. Suchmannschaften im Absturzgebiet der Raumfähre "Columbia" fanden nach Angaben des israelischen Militärs die Leiche des israelischen Astronauten Ilan Ramon. Zuvor waren im US-Bundesstaat Texas Teile des Rumpfes und des Fahrwerks der "Columbia" entdeckt worden, die für die Klärung der Unglücksursache von entscheidender Bedeutung sein könnten.

Es werde untersucht, wann die Probleme am linken Flügel begonnen hätten, sagte der NASA-Sprecher weiter. Der Großteil der Analysen konzentrierte sich bislang auf ein Stück Schaumstoff-Isolierung der Trägerrakete, das beim Start der Raumfähre am 16. Januar gegen die linke Tragfläche geprallt war. Dadurch könnte der Hitzeschild beschädigt worden sein, der die Raumfähre beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vor dem Verglühen schützen soll.

Bei einer Analyse des Filmmaterials über den Start der Raumfähre hatten Ingenieure der NASA am vierten Tag des Weltraumflugs nicht feststellen können, ob das Schaumstoff-Teil einzelne Kacheln des Hitzeschilds beschädigt habe. Nach weiteren Untersuchungen kamen die Wissenschaftler am zwölften Tag zu dem Ergebnis, das Teile könne "lokale Oberflächenschäden", aber keine Sicherheitsrisiken verursacht haben.

Es habe wohl keine Meinungsverschiedenheiten unter den Wissenschaftlern über den Befund gegeben, sagte der Sprecher. Die NASA-Leitung habe ihn anschließend als "Ingenieurs- Wahrheit" akzeptiert. Die Astronauten seien darüber informiert worden.

In den kommenden Tagen würden Vorbereitungen getroffen, die Leiche zur Bestattung des israelischen Astronauten zu überführen, sagte ein israelischer Militärsprecher. Der 48-jährige war der erste Astronaut seines Landes. Zu den Leichen seiner sechs US-Kollegen gibt es bislang keine Angaben.

Ein Behördenvertreter des Landkreises Jasper an der Grenze zum US-Bundesstaat Louisiana teilte mit, es seien Computerteile der Raumfähre entdeckt worden. Im gleichen Gebiet war am Montag auch die Nase der "Columbia" gefunden worden. Zudem wurde eine intakte Spritze mit Material von einem biologischen Experiment gefunden. Nach Angaben der NASA sind etwa die Hälfte der Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen an Bord der "Columbia" verloren gegangen. Die übrigen seien bereits zuvor über Computer übertragen worden.

Gefunden wurden auch einer der Sitze der Fähre und Tanks, aus denen ein nicht identifiziertes Gas ausströmte. Allein in dem Bezirk Nacogdoches wurden den Behörden zufolge 3500 Teile entdeckt. Etwa 100 Fundstellen sind bislang von Spezialeinheiten von den Trümmern geräumt worden, von denen einige giftige Stoffe enthalten. Die Suchmannschaften durchkämmen eine Region von 160 Kilometern Länge und 16 Kilometern Breite in den Bundesstaaten Texas und Louisiana, die als "Trümmergürtel" bezeichnet wird.

Die 22 Jahre alte Raumfähre war am Samstag beim Landeanflug auseinander gebrochen. Es war das schwerste Unglück der US-Raumfahrt seit der Explosion des Schwesterschiffs "Challenger" 1986.

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