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28.05.2000

17:56 Uhr

hus NEW YORK. Es war bis vor wenigen Wochen der sicherste Weg um schnell reich zu werden: Börsengänge junger Unternehmen garantierten ihren Managern reichlich Kapital, auch wenn sie außer einer Idee nicht viel zu bieten hatten. Investoren konnten davon ausgehen, dass sich ihr Einsatz am ersten Handelstag schon verdoppeln würde. Doch seit die Nasdaq-Werte auf breiter Front einbrechen, hat sich die Szene radikal verändert. Jeder zweite Kandidat zieht derzeit an den US-Börsen die Anmeldung zum öffentlichen Handel wieder zurück. Unternehmen die es trotzdem wagen, müssen mit kräftigen Kursabschlägen ins Rennen gehen.

Im März dieses Jahres meldeten die Technologie lastige Nasdaq und die New York Stock Exchange 65 Börsengänge (IPO's), im Mai waren es nur noch 23. Firmen, die den Schritt derzeit noch wagen, müssen den zuvor als angemessen kalkulierten Kurs um 30% abdiskontieren, wenn der erste Handelstag keine Pleite werden soll. In den Monaten zuvor hatten Investoren noch einen Aufschlag von 21% akzeptiert, errechnete die Investmentbank Salomon Smith Barney.

"Der Markt für Börsengänge ist im Moment sehr schwierig, aber er ist noch nicht ganz zum Erliegen gekommen", urteilt Frank J. Comas, vo der Deutschen Bank Alex. Brown: "wir haben einige Deals offiziell verschoben." Erfolgreich könnten Börsengänge derzeit allenfalls verlaufen, wenn Unternehmen unter dem Strich mehr Mittelzuflüsse als Ausgaben hätten und in absehbarer Zukunft Gewinne machten. "Den anderen raten wir zu privater Plazierung bei insitutionellen Anlegern", berichtet Comas.

"Der IPO-Markt ist entweder zu heiß oder zu kalt", glaubt der auf dieses Gebiet spezialisierte Prof. Jay Ritter von der University of Florida in Gainesville. Im Moment sei er zu kalt. "Gute Firmen haben jetzt Schwierigkeiten, an Kapital zu kommen." Größere volkswirtschaftliche Folgen seien allerdings noch nicht zu befürchten. Im letzten Jahr seien jungen High-Tech-Firmen im Rahmen von Börsengängen 65 Mrd.$ zugeflossen, über Privatplatzierungen seien nochmals 48 Mrd. $ an Neustarter gegangen. "Diese Rekordsummen zirkulieren noch", so Ritter.

Seit die Nasdaq-Werte an den Aktienmärkten einbrechen, heißt das neue Schlagwort für Anleger "Selektivität". 80 Prozent aller jüngst an die Börse gegangenen Unternehmen haben nicht gehalten, was sie versprachen, ihre Kurse sind gegenüber dem ersten Handelstag deutlich abgesackt.

Prominenteste Beispiele: Der Kurs des Kabelnetz-Anbieters Charter Communications hat seit dem Debut im August 1999 etwa 45% eingebüßt, die erst vor einem Monat eingeführte AT&T Wireless Aktie notiert elf Prozent schwächer, das Datenkommunikations-Unternehmen Infonet Services hat knapp 50% verloren. Selbst am ersten Handelstag bleibt die Euphorie derzeit mäßig. Während er im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Kursgewinn von 60 % brachte, waren es in den Monaten April und Mai nur noch 13 %.

Börsengänge in derzeit als "heiß" geltenden Industriezweigen können gründlich fehlschlagen. Etablierten Firmen aus vergleichsweise altmodischen Branchen kann dagegen ein überraschender Aufstieg gelingen. Der Paketservice UPS notiert heute trotz widriger Märkte um 20 % höher als am Eröffnungstag.

Für den Marktanalysten Keith Mullins von der Investmentbank Salomon Smith Barney hat der IPO-Markt noch nicht die Talsohle erreicht. Der Markt für Börsengänge müsse noch weiter schrumpfen.

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