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24.03.2003

08:53 Uhr

Statt die Übermacht mit Maß zu gebrauchen, führt die Regierung von George W. Bush eine arrogante Außenpolitik. Ein schneller Sieg im Irak kann das Land zu neuen Militärabenteuern ermuntern - was rasch zur Überforderung der Hypermacht führen würde.

Natürlich leugnet Washington jede Isolation und verweist stolz auf die "Koalition der Willigen", zu der Bush 48 Staaten zählt. Dabei handelt es sich jedoch eher um eine "Koalition der toten Seelen". Nur Briten und Australier leisten ernste militärische Hilfe - gegen den Willen der Bevölkerung. Viele Koalitionäre sind eher Vasallen, die wenig beitragen, aber kostspielig für ihre Loyalität bezahlt werden müssen.

Eklatanter noch als das Nein vieler Regierungen ist die Verurteilung der Bush?schen Politik rund um den Globus. Immer mehr Menschen lehnen nicht nur Bush, sondern auch das einstige Vorbild Amerika, seine Werte und Überzeugungen ab. Wenige Tage vor Beginn des Krieges, so eine Umfrage des Pew Research Centers, hatten 25 Prozent der Deutschen eine gute Meinung von den USA, acht Monate zuvor waren es noch 61 Prozent. Laut Allensbach hält eine solide Mehrheit die Amerikaner für rücksichtslos, gewalttätig und hochmütig. Das geht weit über die Ablehnung der Person Bush hinaus, das Phantom des Anti-Amerikanismus wird auch im Westen Realität.

Davon ungerührt, beharrt Bush auf seinem Kurs. Geht der Irak-Krieg kurz und relativ schmerzlos über die Bühne, werden sich die neokonservativen Falken in ihrem Machbarkeitswahn bestätigt fühlen. Die moderne Kriegsführung mit der Minimierung der Verluste nährt ihr Allmachtsgefühl: von einer imperialen Politik zum Imperialismus ist es nur ein kleiner Schritt.

Schon diskutieren die Falken die nächsten Ziele. Syrien und Iran tauchen auf dem Radar auf. Nordkorea fühlt sich durch seine Atomwaffen geschützt, doch ein Angriff mit B-52-Bombern könnte die atomaren Einrichtungen ausradieren, argumentieren US-Experten allen Ernstes. Präventivkriege als universelle Antwort auf Terror und Massenvernichtungswaffen.

Sollte der Irak nur eine erste Etappe im "grand design" der amerikanischen Warlords für den Nahen, Mittleren und Fernen Osten sein, rückt die Überforderung näher. Sicher, die USA geben fast so viel für ihr Militär aus wie der Rest der Welt insgesamt. Und sie können es sich derzeit auch leisten. Dennoch bewegt sich Bush auf dünnem Eis. Das Ende der Dotcom-lllusion und der Terror haben das Land aus allen Wachstumsträumen gerissen. Weil sie seit vielen Jahren mehr konsumieren als produzieren brauchen die USA die internationale Wirtschaftskooperation, den Handel, den Import der klugen Köpfe und vor allem des Kapitals: Das aktuelle Handelsbilanzdefizit erfordert den Zustrom von 500 Mrd. Dollar - pro Jahr. Geht aber das Vertrauen in die Wirtschafts- und Führungsmacht verloren, kommt es schnell zum Erdrutsch, zum Dollarcrash, das von den Kriegsausgaben aufgeblähte Etatdefizit wäre kaum noch zu finanzieren.

Die Gefahr der "imperialen Überdehnung" wird auch in Amerika längst debattiert. Doch kommen diese Warnungen nicht an. Bush und seine fundamentalistischen Einflüsterer pflegen einen autistischen Größenwahn, der die Stellung der globalen Ordnungsmacht USA zu verspielen droht - und damit auch für Europa gefährlich wird.

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