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17.02.2003

07:59 Uhr

Wie sag ich?s meiner Supermacht? Das ist seit Monaten das größte Problem all jener, die einem Irak-Krieg skeptisch gegenüberstehen. Falscher Fokus, falscher Zeitpunkt, zu große Risiken - so lauten die Argumente gegen den US-Kurs, der unaufhaltsam auf einen Krieg zuzulaufen scheint. Und am Wochenende müssten in der US-Diplomatie alle Alarmglocken geschrillt haben: Sowohl die Uno-Sicherheitsratssitzung als auch die Demonstrationen haben klar gemacht, dass der Widerstand gegen einen Krieg weltweit nicht sinkt, sondern eher wächst. Washington hat die Schuld dafür wütend erst Deutschland, dann Frankreich zugeschoben. Tatsächlich ist im In- und Ausland zu Recht etwa Schröders unsinnige Vorfestlegung auf eine deutsche Nicht-Beteiligung an einem Irak-Krieg kritisiert worden. Doch dies ändert nichts daran, dass die größere Verantwortung bei den USA selber liegt.

Seit Monaten gehen amerikanische Politiker und Medien von falschen Thesen aus - weder änderte die rot-grüne Regierung in Berlin ihre Meinung, noch taten dies Chirac oder Putin. Völlig erstaunt wird in Washington registriert, dass man der einzigen Supermacht nicht mehr automatisch folgt. Doch warum auch? Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die Abhängigkeit von den USA enorm gesunken. Wer heute Koalitionen bilden will, muss überzeugen - auch als Supermacht. In Afghanistan ist dies gelungen, beim Irak nicht.

Weil die US-Regierung seit Monaten kritische Einwände übergeht, fährt sie stattdessen nun die Ernte einer Politik ein, nach der die USA im Notfall auch das Recht haben sollen, alleine vorzugehen. Die offene Verachtung der konservativen Bush-Berater für die Uno und Europa hat ein Klima des Misstrauens geschaffen, das durch die vorherrschende Kakofonie über die US-Kriegsziele nur noch verstärkt wird: So machte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gerade nochmals deutlich, dass es ihm weniger um die Entwaffnung als vielmehr die Beseitigung Saddams gehe - was aber nicht Ziel der Uno-Resolution ist. Geschadet hat auch die angeschlagene Tonart. Systematisch arbeiten US-Hardliner und-Diplomaten mit ihren Schmähungen gegen kriegsunwillige Europäer daran, die Sympathiewerte für die USA zu senken.

Und Washington scheint wenig dazugelernt zu haben: Verstärkte Inspektionen werden pauschal abgelehnt. Dabei schwächen sie die von den USA aufgebaute Drohkulisse keineswegs, bieten Saddam aber eine politische Alternative. Geht er darauf ein, hätten die USA Deutsche, Franzosen und Russen auf lange Sicht in eine echte Verantwortung für die Entwaffnung des Iraks eingebunden. Scheitert der Versuch dagegen an mangelnder Kooperation Bagdads, werden sich auch Paris und Berlin einem militärischen Vorgehen nicht mehr entgegenstellen.

In den USA sollte man sich zudem fragen, ob es wirklich echte Alternativen gibt. Denn geht Bush ohne neues Uno-Mandat mit seiner kleinen Koalition der Willigen, Gehorsamen oder Genötigten vor, dann verlässt er in den Augen der Weltöffentlichkeit den Rahmen der Vereinten Nationen. Die Folgen wären verheerend. Politiker wie Rumsfeld haben nie begriffen, dass gerade eine demokratische Führungsmacht für ihr Agieren nicht nur Waffen braucht, sondern Akzeptanz. Wer nur militärisch stark ist, den fürchtet man zwar - achten allerdings tut man ihn nicht.

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