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09.01.2003

11:03 Uhr

USA sollen Erklärung zu Gewaltverzicht erneuern

Nordkorea sieht Ausweg aus Atomstreit

Im Atomstreit zwischen den USA und Nordkorea scheint sich ein Ausweg abzuzeichnen: Aus Diplomatenkreisen mit guten Beziehungen zu Nordkorea verlautete am Donnerstag, wenn die USA ihre Erklärung zum Gewaltverzicht aus dem Jahr 2000 erneuern würden, wäre die Regierung in Pjöngjang bereit, ihr Atomprogramm aufzugeben.

Reuters TOKIO. Die USA hatten zuvor einen Dialog angeboten, Zugeständnisse aber abgelehnt. Nordkoreas Atomprogramm könne nicht Teil eines Verhandlungspokers werden, hieß es. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel waren gestiegen, nachdem Nordkorea nach US-Angaben zugegeben hatte, vertragswidrig den Bau von Atomwaffen voranzutreiben.

"Eine nochmalige Bestätigung des gemeinsamen Kommuniques von Oktober 2000 würde ausreichen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus den Kreisen. "Der Norden würde einer Aufgabe seines Atomprogrammes zustimmen, wenn die USA das gemeinsame Kommunique erneuern würden." In der Erklärung hatten beide Staaten seinerzeit versichert, "keine feindseligen Absichten" zu hegen. Zuletzt hatte Nordkorea einen Nichtangriffspakt mit den USA gefordert, bevor es sein Atomprogramm aufgibt. In den diplomatischen Kreisen wurde jedoch eingeräumt, dass diese Forderung für die US-Regierung kaum akzeptabel sei, zumal der Kongress einen solchen Pakt ratifizieren müsste.

Das Kommunique von 2000 markierte eine Entspannung in den beiderseitigen Beziehungen. Kurze Zeit später reiste die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright nach Nordkorea. Ihre Reise sollte einen Besuch von Präsident Bill Clinton vorbereiten, zu dem es dann aber nicht kam. Clintons Nachfolger George W. Bush schlug wieder eine härtere Linie gegen Nordkorea ein und bezeichnete das Land zusammen mit Iran und Irak als Teil einer "Achse des Bösen".

Nach den Diplomaten-Angaben müsse eine Lösung gefunden werden, die es Nordkorea erlaube, sein Gesicht zu wahren. Selbst wenn es zu einem Dialog mit den USA komme, würde Nordkorea erst dann auf Forderungen der USA eingehen, wenn diese ein Angebot unterbreiten würden, die Nordkoreas Führung als Erfolg verbuchen könne, hieß es. In den Kreisen wurde zugleich vor den negativen Folgen gewarnt, wenn beide Seiten nicht zu einer Übereinkunft kämen. Nordkorea würde dann unberechenbar werden und vermutlich seine Raketentest wieder aufnehmen. 1998 hatte Nordkorea eine ballistische Langstreckenrakete getestet, die über Japan hinweggeflogen war. Den Informationen zufolge hat das Land noch mindestens zwei derartige Raketen, die es jederzeit abschießen könnte. Außerdem warnten die diplomatischen Kreise davor, dass sich Nordkorea aus den Abkommen zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zurückziehen könnte, wenn die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) den Streit vor den UNO-Sicherheitsrat bringt, um Sanktionen zu verhängen. Nordkorea würde Sanktionen als Kriegserklärung betrachten, hieß es.

Nordkorea hatte IAEA-Inspektoren ausgewiesen, nachdem es die mit der Reaktivierung eines stillgelegten Atomreaktors begonnen hatte. Zuvor hatten die USA und die Europäische Union (EU) die Lieferungen von Heizöl eingestellt. Sie reagierten damit auf die angebliche Fortführung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms.

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