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09.01.2003

15:05 Uhr

USA will Ende Januar Lage beurteilen

Inspekteure erhalten US-Geheimdienstmaterial

Nach wochenlangem Zögern haben die USA den Waffeninspekteuren im Irak erstmals Geheimdienstmaterial über mögliche Waffenverstecke und-programme übergeben. Das sagte Außenminister Colin Powell in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der "Washington Post". Die wichtigsten Daten würden allerdings noch zurückgehalten, um zu sehen, wie die Inspekteure mit den Informationen umgehen. Ein namentlich nicht genannter UN-Beamter beschrieb die Informationen aus Washington nach Angaben der Zeitung als "nicht sehr durchsichtig".

HB/dpa NEW YORK/WASHINGTON. Unterdessen meldete die US-Zeitschrift "Time" in ihrer Online-Ausgabe, dass die Befragung irakischer Wissenschaftler in den nächsten Tagen auf Zypern beginnen soll.

Powell sagte, dass die USA nach dem 27. Januar, wenn UN - Chefinspekteur Hans Blix dem Weltsicherheitsrat einen ersten umfassenden Bericht über die Waffeninspektionen vorlegt, eine Lagebeurteilung vornehmen werden. "Aber das ist nicht notwendigerweise der Tag der endgültigen Entscheidung", sagte Powell. Präsident George W. Bush hoffe nach wie vor auf eine friedliche Lösung des Konflikts.

Blix und der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed el Baradei, wollten dem Sicherheitsrat am Donnerstag ihre umfassende Einschätzung der irakischen Waffendeklaration vom 7. Dezember vorlegen. Powell hatte den 12 000 Seiten starken Bericht bereits als völlig unzureichend kritisiert. Blix und el Baradei hatten die USA wiederholt aufgefordert, ihre Geheimdienst- Informationen über mögliche Waffenlager im Irak herauszugeben.

Powell will nicht jede Tür öffnen

Trotz der Brisanz der Informationen ist Washington laut Powell nicht bereit, alle Geheimdienstdaten über den Irak auf den Tisch zu legen. Erst wolle man abwarten, ob die Inspekteure "in der Lage sind, das Material auch wirklich zu verwerten und auszuschlachten". Es sei nicht so, dass "wir jede Tür öffnen, die wir haben", sagte Powell. Die Regierung müsse sicherstellen, dass die Quellen, aus denen die Informationen stammen, geschützt würden.

Nach Informationen von "Time" hat die UN-Waffenkontrollkommission UNMOVIC alles vorbereitet, um die irakischen Waffenforscher und ihre Familien von Bagdad nach Zypern zu fliegen und dort vertraulich zu befragen. Die Ergebnisse dieser Interviews wolle Blix am 27. Januar im Weltsicherheitsrat vorlegen. Die USA drängen seit Wochen auf die Befragung der Wissenschaftler. Sie haben mit der Waffenkontrollkommission zahlreiche Gespräche darüber geführt. Dabei habe man konkrete Vorschläge für das Vorgehen gemacht, sagte Powell.

Es ist noch fraglich, ob Bagdad seiner Verpflichtung gemäß der UN - Resolution 1441 nachkommen wird und die Experten ausreisen lässt. Ungewiss ist auch, ob die Experten selbst zur Ausreise bereit sind. Die Atomenergiebehörde habe versucht, im Irak private Gespräche mit Wissenschaftlern zu führen, doch hätten die darauf bestanden, dass Regierungsvertreter bei den Gesprächen zugegen seien, berichtete die "Washington Post".

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