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07.02.2002

16:39 Uhr

Utahs Alkohol-Wächter drücken für die Spiele ein Auge zu

Prost Olympia

Barkeeper Jeff rollt die Augen. "Hier gibt's so viele Alkohol-Gesetze, dass nicht mal ich sie alle kenne", sagt der 27-Jährige. "Dabei bin ich speziell für meine Arbeit hier in Utah ausgebildet worden."

dpa SALT LAKE CITY. Jeff arbeitet in einem Restaurant in Salt Lake City. Im vergangenen Sommer ist er aus Colorado in die Mormonen - Metropole übergesiedelt - und hat seitdem weniger Geld in der Tasche. Sein garantierter Stundenlohn liegt bei 2,13 Dollar, den Rest für den Lebensunterhalt muss er aus Trinkgeldern bestreiten. Und die fließen im "trockenen Utah" deutlich spärlicher als anderswo in den USA.

Wer in einem Restaurant nicht trinkt, hat in der Regel eine niedrigere Rechnung und gibt damit weniger Trinkgeld, erläutert der junge Mann. "Ich will ja nicht für Alkohol werben: Aber wer sich abends ein Gläschen gönnt oder auch zwei, ist meistens guter Laune und daher auch großzügiger."

Willkommen in Utah, dem US-Bundesstaat mit den striktesten Alkohol-Regeln im gesamten Lande. Weil 70 Prozent der Bevölkerung Mormonen sind, die den Konsum von Prozentigem strikt ablehnen und insgesamt Mäßigung predigen, hat das die staatliche Gesetzgebung entscheidend geprägt. Olympia-Besucher werden die Vorschriften zur Enthaltsamkeit kaum zu spüren bekommen. Wie Jeff aus dem eigenen Hause weiß, gilt für die Zeit der Spiele das Motto: Wir drücken ein Auge zu. "Man hat mir gesagt, wir müssen es in dieser Zeit nicht so genau nehmen", sagt er.

Im Großen und Ganzen gilt die Regel, dass Restaurants mit Ausnahme von Wein und Bier nur Alkoholfreies zum Essen servieren dürfen. Bars, die "harte Getränke" ohne Mahlzeit anbieten wollen, müssen sich bei der Behörde für die Kontrolle von Alkohol als "Privatclub" anmelden. Der Kunde zahlt einen Mitgliedsbeitrag, muss dennoch Einschränkungen hinnehmen. Es gilt die Regel: Jedes servierte Glas darf nur 28,3 Gramm an "premium alcohol" enthalten. Zusätzlicher Alkohol darf ausdrücklich nur als "Geschmacksverbesserer" hinzugefügt werden.

Die Kontrolle ist stark: Wie bei Benzinpumpen an der Tankstelle wird bei jedem Ausschenken aus der Flasche von einem Zählautomaten festgehalten, wie viel ins Glas gegluckert ist. Der Barkeeper muss auch stets darauf achten, dass er einem Gast bei der Nachbestellung das neue Glas erst bringt, wenn das alte leer ist. Das heißt, es darf immer nur ein Glas mit Alkohol neben dem Teller stehen. Wer es angesichts solcher Spielregeln vorzieht, daheim zu genießen, kauft praktisch bei Vater Staat ein: Ihm gehören alle Spirituosen-Läden in Utah, und somit streicht er auch die Gewinne ein.

Patty, Kellnerin in einem Hotel in Salt Lake City, ist Mormonin. Sie erklärt, dass für die Kirche nicht nur Alkohol, sondern alle Genussmittel tabu sind. "Eben alles, was stimuliert und die Sinne vernebeln könnte". Hinter der Theke stehen dennoch mehrere Flaschen Wodka. Spirituosen-Firmen warten darauf, dass Olympia die Kassen klingeln lässt. Mormonen hin, Mormonen her: Anheuser-Busch als exklusiver Malzgetränk-Sponsor nutzt die Spiele für eine 60 Mill. Dollar teure Kampagne zur Vermarktung seines Bacardi Silver. Mehr als 130 TV-Werbespots, auch für Anheusers Budweiser-Bier, sind geplant.

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