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04.02.2002

00:03 Uhr

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Venture-Capital und Irrtum

VonAnja Müller

Als der Venture-Capital-Boom in Deutschland begann, musste fast die ganz Nation erst einmal lernen, was Venture Capital eigentlich ist. Nun sind wir schlauer. Aber sind es auch die Wagniskapitalgeber?

Da investieren Banken, Versicherungen und Pensionsfonds in Fonds von VC-Gesellschaften, die sich wiederum an jungen, nicht-börsennotierten Unternehmen beteiligen. Das Interessante daran: Wachsen die Firmen gut und gehen irgendwann an die Börse, können die VC-Geber hohe Renditen einstreichen und bekommen wieder neues Geld von ihren Investoren. Anfangs lautete die Rechnung: Von 10 jungen Firmen werden 2 an die Börse gehen oder gewinnbringend an einen Konzern verkauft. Weitere sechs werden so vor sich hin leben und die restlichen zwei werden pleite gehen. Dabei haben die VC-Geber frei nach dem Motto "Versuch und Irrtum" noch immer gutes Geld verdient.

Doch mit immer mehr Börsengängen und dem Aktien- und Internet-Boom in Deutschland schien viel mehr möglich - mehr Börsengänge, mehr Rendite, weniger Pleiten. Mittlerweile weiß ganz Deutschland, wie das Venture-Capital-Geschäft funktioniert. Doch wissen es auch die VC-Gesellschaften selbst?

Ein Blick auf das VC-Panel, einer Umfrage unter 38 VC-Gesellschaften der Unternehmensberatung Mackewicz und Partner im Auftrag der VDI-Nachrichten und Netzwert, zeigt, dass kaum ein VC-Geber ein Unternehmen, an dem er sich beteiligt hat, an die Börse bringen konnte, aber leider ganz viele Beteiligungen - rund 60 Prozent - abschreiben musste. Der Grund: Die Wagniskapitalgeber schielten viel mehr auf die Börse, statt sich gründlich mit ihren potenziellen Beteiligungen zu beschäftigen. Sie versuchten zu viel und irrten sich zu oft.

Und heute versuchen sie gar nichts mehr, sprich sie investieren nicht mehr, um sich nicht wieder zu irren. Das US-amerikanische Magazin Red Herring illustriert auf seinem Titel, was zu tun ist: "Ich will künftig die grundlegenden Investment-Prinzipien beherzigen", steht da siebenmal mit Kreide an einer Tafel.

Was das heißt? Mehr versuchen, weniger irren. Investieren, wenn die Bedingungen günstig, Beteiligungen also billig, sind. Warten, warten, warten. Und verkaufen, wenn die Bedingungen günstig sind, das heißt, wenn die Unternehmen erste Gewinne bringen und die Börsen das auch honorieren. Investieren Sie. Jetzt.

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