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26.01.2007

10:40 Uhr

Verantwortung für das Weltklima

Ein Ziel – unterschiedliche Wege

VonRoland Tichy

Die Industriestaaten können die Verantwortung für das Weltklima nicht auf die Schwellenländer abschieben. Das geht nur, wenn Ressourcen geschont, umweltfreundliche Kraftwerke ausgebaut und erneuerbare Energien genutzt werden - und bei dem groß angekündigten "Call for Action" sind sich auch alle Konferenzteilnehmer einig.

"Der Schlüssel für das Weltklima liegt in den USA", sagt der kalifornische Abgeordnete Nunez. Foto: ap

"Der Schlüssel für das Weltklima liegt in den USA", sagt der kalifornische Abgeordnete Nunez. Foto: ap

DAVOS. Da steht sie - schön, blond, langbeinig: Claudia Schiffer, diese "Mischung aus Mona Lisa und Botticelli-Figur", wie Großverleger Hubert Burda sie vorstellt. Draußen pfeift der Eiswind den Schnee durch die Gassen, und die Dieselmotoren der gewaltigen Sportlimousinen aus deutscher und amerikanischer Produktion laufen warm. Drinnen im Saal ist es kuschelig und überheizt, man trinkt Champagner, und Claudia Schiffer ist gekommen, "um das Weltklima zu retten".

Das geht nur, wenn Ressourcen geschont, umweltfreundliche Kraftwerke ausgebaut und erneuerbare Energien genutzt werden - und bei dem groß angekündigten "Call for Action" sind sich auch alle Konferenzteilnehmer einig. Doch dann holt Montek S. Ahluwalia sie auf den harten Boden der Realität jenseits von Davos zurück: Wenn es um den Ausstoß von Treibhausgasen gehe, betont der Chef der indischen Wirtschaftsplanung, werden Indien, China und die anderen Entwicklungsländer keinerlei Reduktionsziele zu ihren Lasten hinnehmen. Schließlich seien die Industrieländer - allen voran die USA - für den Löwenanteil der Treibhausgase verantwortlich, und Washington habe nicht einmal das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Zhang Xiaoqiang, Chef der chinesischen Planungsbehörde, schlägt in die gleiche Kerbe: Auf der weltweiten Wohlstandsskala rangiere sein Land derzeit erst auf Platz 120, industriell gebe es also noch Aufholbedarf. Außerdem bliesen die Bürger der OECD-Länder derzeit im Schnitt dreimal so viel Treibhausgase in die Atmosphäre wie die Chinesen. Selbst bei höherer Energieeffizienz werde der Energieverbrauch der Volksrepublik und damit auch der Schadstoffausstoß weiter steigen, so Zhang. Denn ein Ziel werde China nie aus den Augen lassen: schnelles Wachstum.

Rasch werden auch die Hoffnungen zerschlagen, die am Vorabend noch die Phantasie der Partygänger so angeregt hatten: Grüne Kohle, also der emissionsfreie Verbrauch des fossilen Energieträgers, liegt in weiter Ferne. Es sei nicht damit getan, ein paar tausend Tonnen Kohlendioxid in der Erde zu versiegeln, um die Atmosphäre zu schützen. Es gehe vielmehr um Millionen von Tonnen, sagt Steve Chu, Direktor des Lawrence Berkeley National Laboratory - zumal die drei Hauptförderländer China, Indien und Russland gerade keine Bereitschaft zeigten, Wachstum und Wohlstand zu Gunsten reduzierter Emissionen zu gefährden.

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