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11.03.2003

12:15 Uhr

Verband erwartet weiteren Stellenabbau

Aufschwung für deutsche IT-Branche erst 2004

Die deutsche Computer- und Telekommunikationsindustrie erwartet nach dem erstmaligen Umsatzrückgang im Vorjahr frühestens 2004 wieder ein spürbares Wachstum.

Grafik: Handelsblatt.com

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Reuters HANNOVER. Für dieses Jahr rechnet der Branchenverband Bitkom angesichts der anhaltender Konjunkturflaute und Irak-Krise allenfalls mit einem stabilen Geschäft. Deutschland könne weiterhin nicht an die weltweit besseren Wachstumswerte anschließen, sagte Bitkom-Präsident Volker Jung am Dienstag im Vorfeld der Computer- und Technologiemesse CeBIT in Hannover.

Der Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) in Deutschland ging als einziger in Europa nach Bitkom-Angaben um 2,0 Prozent auf 132 Mrd. Euro zurück. Für 2003 sei in Deutschland nur "eine schwarze Null" mit höchstens einem halben Prozent Zuwachs auf 132,6 Mrd. Euro wahrscheinlich. Erst 2004 erwartet Bitkom dann ein leichtes Wachstum von drei Prozent auf 136 Mrd. Euro. Nach dem Verlust von 35 000 Stellen im vorigen Jahr erwartet Bitkom für 2003, dass nochmals 10 000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Doch auch diese verhaltenen Prognosen stehen unter Vorbehalt. Die weltweite Unsicherheit über den Ausgang der Irak-Krise sowie in Deutschland der unklare Kurs der Bundesregierung machten eine Marktanalyse schwieriger als in früheren Jahren, sagte Jung. Bei einem längerem Irak-Krieg werde sich die Branche deutlich schlechter entwickeln.

Bitkom fordert politischen Richtungswechsel

Bitkom erwartet von der Regierung einen Richtungswechsel und hofft nach den Worten Jungs auf klare Aussagen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu Reformen auf dem Arbeitsmarkt und der Sozialsysteme spätestens in der für Freitag angekündigten Regierungserklärung. Er erwarte von der Regierung weitreichende Änderungen für eine längere Dauer für befristete Arbeitsverhältnisse von mehreren Jahren sowie eine Aufhebung der bisherigen Tages-Höchstarbeitszeit von zehn Stunden.

Von der CeBIT als weltgrößter Branchenmesse, die am Dienstag abend von Schröder eröffnet werden sollte, dürften ebenfalls wichtige Impulse ausgehen, sagte Jung. Im Mittelpunkt der Messe stünden Dienstleistungen rund ums Internet (Web Services), Breitbandanwendungen und der künftige Mobilfunkstandard UMTS.

Wachstum durch UMTS

Noch in der zweiten Jahreshälfte würden nach einiger Verzögerung endlich vier UMTS-Netze in Deutschland an den Start gehen. Ab 2005 sei für UMTS bereits ein Massenmarkt zu erwarten, weil etliche Unternehmen erheblich in mobile Datenübertragung investieren würden, sagte Jung. Wachstumstreiber in den kommenden Jahren seien auch Datendienste sowie Internet- und Online-Dienste mit teilweise sogar zweistelligen Zuwachsraten und einem hohen Entwicklungspotenzial, sagte Jung.

Der Trend weg von der Hardware hin zu den Bereichen Software und Service, die bereits 72 Prozent des Branchenumsatzes ausmachten, setze sich fort. Deshalb müssten sich die Geräte-Hersteller auf rückläufige Geschäfte einstellen. Ausnahmen seien tragbare Computer und Mobiltelefone.

Die größeren Probleme hat der gesamte Bereich der Informationstechnik. Hier sei 2002 der Umsatz um 4,6 Prozent auf 68,2 Milliarden Euro Umsatz zurückgegangen und dürfte laut Bitkom auch 2003 weiter schrumpfen. Dagegen verzeichnete die Telekommunikationswirtschaft 2002 noch einen leichten Zuwachs von knapp einem Prozent auf 63,8 Milliarden Euro und hat laut Bitkom damit ihre Talsohle erreicht.

Besonders stark dürften Telekommunikationsdienste mit einem jährlichen Wachstum von vier bis fünf Prozent zulegen. Bis 2007 entstehe hier zusätzliches Marktvolumen von gut sieben Milliarden Euro. Die Gerätehersteller dagegen müssten mit einem Marktrückgang um fünf Milliarden Euro rechnen. Jung appellierte an Banken und Sparkassen, ihre Kredit-Zurückhaltung aufzugeben. Dies sei inzwischen ein großes Markthemmnis.

Mehr Investitionen in den Schulen

Von der Bundesregierung und den Ländern forderte Bitkom mehr Investitionen in die Informationstechnik bei den Schulen. Deutschland liege bei der Ausstattung seiner Schulen mit sieben Computern auf 100 Schüler im europäischen Vergleich auf dem drittletzten Platz. In Dänemark stünden für 100 Schüler 67 Computer zur Verfügung, 50 davon mit Internet-Anschluss.

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