Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2003

12:48 Uhr

Verband erwartet weiteren Umsatzrückgang - Export gut

Ernährungsindustrie bereitet nur der Export Freude

Die deutschen Nahrungsmittelhersteller stellen sich wegen der Konsumschwäche auf andauernde Umsatzrückgänge und den Abbau von Arbeitsplätzen ein.

HB/dpa BERLIN. Nach einem Rekordjahr 2001 meldeten die Betriebe der Ernährungsindustrie im vergangenen Jahr einen Rückgang der Umsatzerlöse von einem Prozent auf 125,4 Milliarden Euro, sagte Peter Traumann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Mittwoch in Berlin kurz vor Beginn der Grünen Woche. Preiserhöhungen seien kaum durchzusetzen, deshalb seien die Ertragserwartungen negativ.

Einen Lichtblick biete der Export mit einem Plus von 2,1 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro. "Das wachsende Exportgeschäft darf jedoch nicht über die Probleme der Industrie hinwegtäuschen", warnte Traumann. Laut BVE sind 2002 rund 18 000 (3,3 Prozent) Arbeitsplätze weg gefallen. Damit habe die Branche noch 530 000 Mitarbeiter.

Die Zahl der Unternehmen des viertgrößten deutschen Industriezweigs sank 2002 um 185 auf 5 850 Betriebe. Zieht die Nachfrage nicht an, müsse mit weiteren Schließungen gerechnet werden. "Die Zeiten für die mittelständisch geprägte Industrie werden härter", sagte Traumann. Der Preiskampf im Handel beschere sinkende Margen, kleine Betriebe könnten daher notwendige Investitionen vielfach bald nicht mehr finanzieren.

Zum Pflichtpfand für Einweg-Getränkeverpackungen sagte Traumann: "Handel und Ernährungsindustrie sprechen sich strikt gegen die Erweiterung des Pflichtpfands aus." Gefordert werde eine schnelle und umfassende Novellierung der Verpackungsordnung. Einwegverpackungen, die ökologisch vorteilhaft seien, müssten von diesem Pfand freigestellt werden. Der Absatz von Einweg-Getränkeverpackungen sei durch die neue Regelung in der Brauwirtschaft um rund 60 Prozent rückläufig. Dies gelte auch auch für andere Abfüller. "Mäßigung ist angezeigt, will der Bundesumweltminister nicht das Duale System (Grüne Punkt) gefährden", sagte Traumann.

Die Messe Berlin meldet zur 68. Grünen Woche (17.-26.Januar) mit 1 600 Ausstellern aus 55 Ländern eine der höchsten Beteiligungen überhaupt. Die beschlossene EU-Osterweiterung wird das beherrschende Thema des agrarpolitischen Dialogs, sagte Messegeschäftsführer Christan Göke. Die Staaten, die ab 2004 der EU als gleichberechtigte Handelspartner beitreten werden, nutzten die Grüne Woche als Testmarkt für ihre Produkte.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sieht durch extreme Investitionszurückhaltung der Bauern eine Gefahr für den Agrarstandort Deutschland. "Faktisch wird nur noch die Abschreibung reinvestiert", sagte er. Das sei zu wenig. Sonnleitner forderte auch eine Ende der "Schleuderpreispolitik der Discounter". "Die unbefriedigenden Signale von der Ladentheke müssen mit allen Beteiligten offensiv angesprochen werden. "Klasse statt Masse' ist daraus jedenfalls gegenwärtig nicht ableitbar", sagte Sonnleitner.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×