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22.01.2003

17:09 Uhr

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Verband: Windkraft auf Wachstumskurs

Die Windenergie entwickelt sich nach Verbandsangaben in Deutschland zum wichtigen Wirtschaftsfaktor und schafft weiter Arbeitsplätze.

Reuters BERLIN. "Bei der Windkraft haben wir es 2002 geschafft, Weltmeister zu werden", sagte der Vorsitzende der Sparte im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Norbert Giese, am Mittwoch in Berlin. 2002 verzeichnete die Branche ein zweites Rekordjahr in Folge. Die Zahl der installierten Anlagen erhöhte sich nach Angaben des Bundesverbands WindEnergie (BWE) um 22 Prozent auf rund 13.800. Die Gesamtleistung stieg um 37 Prozent auf 12.000 Megawatt. Den jährlichen Umsatz im Geschäft mit den bis zu 100 Meter hohen Anlagen bezifferte Giese auf 3,5 Milliarden Euro. Weiter steigend ist auch der Marktanteil: 2002 deckte der Wind 4,7 Prozent des deutschen Nettostromverbrauchs, nach drei Prozent im Jahr zuvor. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg danach 2002 um 5000 auf 40.000.

Nach Berechnungen der Verbände waren Ende 2002 weltweit Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 30.000 Megawatt installiert. Bis 2010 werde sich die Kapazität verdoppeln. Allein in Deutschland rechnen die Experten mit 20.000 neuen Anlagen. Auf dem Land sind die möglichen Standorte bereits gut zur Hälfte belegt. Große Chancen rechnen sich die Unternehmen beim Off-Shore-Betrieb aus. Das sind große Windparks auf der Nord- oder Ostsee. Großbritannien, Schweden und Dänemark seien mit der Entwicklung der Großanlagen weiter, kritisierte Giese.

Hier zu Lande lägen derzeit nur zwei Baugenehmigungen vor. Windparks dürfen danach vor Emden und Sylt errichtet werden. Insgesamt sind nach Verbandsangaben 30 Off-Shore-Kraftwerke beantragt worden. Neben dem Neubau maritimer Kraftwerke und dem Verkauf von Ersatzturbinen soll der Export die Geschäfte der Hersteller beflügeln.

Der Standort Deutschland sei für internationale Windkraftanleger durch die Rechtssicherheit bei der Vergütung des grünen Stroms besonders interessant, erläuterte Giese. Grund seien die festgelegten Preise für die Ökoenergie. Pro Kilowattstunde Strom müssen die Versorger den Erzeugern fünf Jahre lang wenigstens 9,1 Cent bezahlen. Danach sinkt der Betrag. Die Bundesregierung hat allerdings angekündigt, dass die Vergütungssätze sich ändern werden. Tendenziell werden windstarke Standorte weniger gefördert werden, schwache mehr. Für die Offshore-Anlagen sollen die Regelungen aber verbessert werden.

Der BWE räumte ein, dass herkömmlich erzeugter Strom noch einige Jahr günstiger sei. Unter Berücksichtigung der Folgekosten für Umwelt und Gesundheit sähe die Rechnung jedoch anders aus, sagte BWE-Chef Peter Ahmels. Die Branche erwartet, dass sich die Preise beider Energiearten im kommenden Jahrzehnt annäherten. Durch die für die Erneuerung der konventionellen Kraftwerke fälligen Investitionen würde sich auch der Strompreis erhöhen. Zudem würde der Ölpreis auf lange Sicht steigen und die "normalen" Strom verteuern.

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