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05.02.2002

21:29 Uhr

Verbundsystem aus Stahl und Kunststoff soll den Schiffbau revolutionieren

Sandwich-Bauweise macht Schiffe billiger

VonBarbara Heckerott

Eine neue Konstruktionsweise für Schiffe kommt mit weniger Stahl aus. Die Schiffe werden leichter, außerdem sorgt das Stahl-Kunststoff-Sandwich für mehr Stabilität und niedrigere Herstellungskosten.

HB DÜSSELDORF. Der Schiffbau steht vor einer ähnlichen Revolution wie vor 150 Jahren, als man von Holz zu Eisen und dann zu Stahl überging - davon ist jedenfalls Michael Kennedy, Managing Director von Intelligent Engineering Ltd., überzeugt. SPS - Sandwich Plate System - heißt die neue Technik, die die heute noch üblichen Stahlkonstruktionen ersetzen soll. Die in Kanada und Großbritannien ansässige Intelligent Engineering entwickelte das System in Zusammenarbeit mit Elastogran, einem Unternehmen der BASF-Gruppe.

Heute bestehen Rumpf und Deck eines Schiffes im Allgemeinen aus Stahlplatten. In vielen Fällen sogar aus einer Stahldoppelwand. Das hat unter anderem den Vorteil, dass bei einer Kollision das Leckagerisiko reduziert wird, denn oft wird nur die Außenhaut beschädigt. Bei der herkömmlichen Stahlkonstruktion werden Außen- und Innenhaut durch Längsverstrebungen verbunden, und das Ganze wird durch Verstärkungsrippen und Querverstrebungen stabilisiert. Bei der Sandwich-Plate-Technik wird der Zwischenraum dagegen mit einer speziellen Mischung des Kunstoffes Polyurethan (PUR) ausgegossen.

Mehr Fracht kann geladen werden

Der "Schiffs-TÜV", Lloyd's Register, hat das Verfahren inzwischen anerkannt. Alan Gavin, Marine-Direktor der Klassifizierungsbehörde, ist vor allem von der Einfachheit des Systems beeindruckt: eine Schicht Stahl, eine Schicht Polyurethan, eine Schicht Stahl - dieses "Sandwich" macht Schiffe nicht nur stabiler, sondern auch leichter. Dadurch sinken die Treibstoffkosten bzw. das Frachtgewicht kann erhöht werden. Unter Kostengesichtspunkten ist auch interessant, dass durch die Kunststoffverbindung weniger Verstärkungselemente benötigt werden. Dadurch sollen bei der Herstellung bis zu 50 Prozent der Schweißarbeiten entfallen.

Die durchgängige Kunststoffschicht sorgt zudem dafür, dass Stöße besser absorbiert werden, denn sie leitet Kräfte besser ab und verteilt sie gleichmäßiger auf die Stahlfläche als die punktuell aufgeschweißten Rippen. Da SPS zudem noch gegen Hitze dämmt, ist diese Bauweise für Alan Gavin ideal für den Transport chemischer Stoffe, für Öltanker oder Frachter mit anderer gefährlicher oder teurer Ladung.

Schichten wirken dämpfend

Die dämpfenden Eigenschaften des Polyurethans, so Gavin, schützen nicht nur Schiffskonstruktion und Maschinen vor Erschütterungen, sondern sorgen auch für eine bessere Schallisolierung. Das bedeute mehr Komfort für die Mannschaft, und auch Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen würden dies zu schätzen wissen.

Zwar gibt es noch kein Schiff, das komplett mit der SPS-Technologie gebaut wurde, doch die britische Reederei P & O hat bereits die Decks mehrerer Fähren mit dem so genannten SPS-Overlay-Konzept erneuert. Dabei werden auf aufgeschweißte Rahmen neue Deckbleche gelegt, und in die dabei entstehenden Hohlräume wird Polyurethan injiziert.

Noch sind Elastogran und Intelligent Engineering die einzigen Anbieter dieser patentgeschützten Technik. Die Erwartungen an das Sandwich-System sind hoch: Bis 2010 rechnet BASF mit einem zusätzlichen Umsatzpotenzial von mehreren Hundert Millionen Euro im Jahr. Das Geld soll nicht nur vom Schiffbau kommen, sondern auch aus anderen Bereichen des konstruktiven Stahlbaus - wie zum Beispiel dem Brückenbau oder dem Bau großer Sportstadien.

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