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11.01.2001

13:49 Uhr

ap PARIS. Nach dreiwöchiger Untersuchungshaft ist der Sohn des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand wieder auf freiem Fuß. Seine Mutter Danielle hinterlegte am Donnerstag im Pariser Justizpalast die Kaution von fünf Mill. Franc (1,5 Mill. DM - 760 000 Euro) für ihren Sohn Jean-Christophe, der kurz vor Weihnachten unter dem Verdacht illegaler Waffengeschäfte festgenommen worden war.

Die Witwe des früheren Präsidenten sagte, sie habe "Lösegeld" für ihren Sohn zahlen müssen. Sie bedankte sich bei allen, die geholfen hatten, die Summe aufzubringen. Darunter seien auch "Sänger, Schauspieler und Minister" gewesen, erklärte Danielle Mitterrand, ohne Namen zu nennen. Nun sei ihr Sohn in der Lage, sich selbst zu verteidigen.

Der 54 Jahre alte Jean-Christophe Mitterrand verließ das Gefängnis Sante lächelnd, aber kommentarlos. Der Anwalt Jean-Pierre Versini-Campinchi sagte, sein Mandant sei Opfer einer Ungerechtigkeit.

Mitterrand, von 1986 bis 1992 Afrika-Berater seines Vaters im Elysee-Palast, soll nach seinem Ausscheiden aus dem Amt für Waffengeschäfte mit Angola 1,8 Mill. $ von dem Unternehmen Brenco Trading des Geschäftsmanns Pierre Falcone kassiert haben. Brenco soll 1993 und 1994 ohne Genehmigung Waffen im Wert von einer halbe Mrd. Franc (150 Mill. DM - 76 Mill. Euro) an das Regime in Angola geliefert haben. Die Justiz wirft Mitterrand, der den Spitznamen "Papa-hat-mir-gesagt" trug, unter anderem Amtsmissbrauch vor.

Verfahren auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz läuft ein Verfahren gegen Mitterrand wegen Geldwäsche. Die Genfer Justiz sperrte acht Bankkonten in Genf und in Zürich. Frankreich hatte die Schweiz bereits zu Beginn des Jahres ersucht, diese Konten Mitterrands zu sperren, auf denen die 1,8 Mill. $ vermutet werden. Der 54-Jährige hat bestritten, etwas Illegales getan zu haben.

In die Waffenaffäre ist den französischen Ermittlern zufolge offenbar auch der ehemalige Innenminister Charles Pasqua verwickelt, der im nächsten Jahr für die rechtsnationale RPF bei den Präsidentschaftswahlen antreten will.



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