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21.02.2002

16:11 Uhr

"Verdrehter Patriotismus" nach Terroranschlägen vorgeworfen

Schiedsrichter im Kreuzfeuer der Kritik

Nach der umstrittenen Goldmedaille für US-Shorttracker Apolo Anton Ohno werden die Meinungen lauter, dass sich die Schiedsrichter bei den olympischen Wettkämpfen unter Druck gesetzt fühlen und fragwürdige Entscheidungen zu Gunsten der amerikanischen Athleten treffen.

HB/sid SALT LAKE CITY. "Das Ganze hier macht doch keinen Sinn. Die Schiedsrichter haben nicht das Format, das sie angesichts olympischer Spiele haben sollten", meinte der südkoreanische Coach Hyung-Kyu Jun. Sein Schützling Dong-Sung Kim hatte das 1000-m-Rennen vor Ohno gewonnen, war aber wegen einer angeblichen Behinderung disqualifiziert worden.

Während der viertplatzierte Italiener Fabio Carta von einer "absurden Entscheidung" sprach, bewertete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap die "Hollywood-Vorstellung" des Amerikaners als "preisverdächtig". Dabei bezog sie sich auf die Tatsache, dass Ohno mehrmals die Hände nach oben gestreckt hatte, um eine Behinderung Kims anzuzeigen. Für ein Mannschaftsmitglied offenbarte die Entscheidung den "verdrehten Patriotismus nach den Attacken vom 11. September" und dokumentiere zudem einen "schlimmen Heimvorteil".

Dass die Unparteiischen unter besonderem Druck zu stehen scheinen, zeigte sich auch bei anderen Sportarten. Nicht unumstritten war die Wertung im Kurzprogramm beim Duell um den Titel der olympischen Eiskönigin zwischen der Amerikanerin Michelle Kwan und Irina Slutskaja. Trotz schwierigerer Sprungkombinationen wurde die Russin hinter der Weltmeisterin eingestuft.

Drastisch fiel die Aussage des früheren deutschen Eishockey-Nationalspielers Erich Kühnhackl nach der 0:5-Niederlage des deutschen Teams gegen die USA aus. "Bei Olympia sollte es korrekt zugehen. Sonst müssen sich die Verantwortlichen mal überlegen, was der olympische Gedanke wert ist." Die Referees könnten ein Spiel beeinflussen. Kühnhackl: "Die Schiedsrichter haben ein Buch, wo die Regeln drin stehen. Und danach sollen sie pfeifen."

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