Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2001

08:05 Uhr

Vereidigung dauert drei Tage

Feiern zur Übergabe des US-Präsidentenamts haben begonnen

Bush hatte vor Parteifreunden versprochen, der Präsident aller Amerikaner zu sein. Die Amerikaner geben sich ausgelassen: Die Vereidigungsfeiern sollen drei Tage dauern.

Reuters WASHINGTON. In den USA haben am Donnerstag die Feiern zur Übergabe des Präsidentenamts begonnen. Der zukünftige Präsident George W. Bush sagte bei einer Veranstaltung vor dem Lincoln-Denkmal in Washington, er werde Amerika einen neuen Anfang ermöglichen. An der Feier nahmen unter anderem auch der Pop-Musiker Ricky Martin, der Boxer Muhammed Ali und der Komponist Andrew Llyod Webber teil. Zuvor hatte Bush vor Parteifreunden auf dem Wintertreffen der Republikaner versprochen, der Präsident aller Amerikaner zu sein. Die Vereidigungsfeiern sollen drei Tage dauern. Die eigentliche Amtsübergabe findet am Samstag statt.

Es sei eine Ehre für ihn, Amerika dienen zu dürfen, sagte Bush in einer kurzen Rede während der zweistündigen Feier. Martin hatte Bush mit den Worten "Komm', lass uns auf die Bühne gehen" in das Scheinwerferlicht gezogen. Auch der designierte Vize- Präsident Dick Cheney und Bushs Familie sowie Tausende Zuschauer waren trotz Nieselregelns anwesend. "Es liegt viel Aufregung in der Luft", sagte Clinton zu Cheney nach dessen Ansprache. "Ich weiß aber nicht, ob es daran liegt, dass die Leute Dich sehen wollen oder Ricky Martin."



Bush will Präsident aller Amerikaner sein

Auf dem Wintertreffen sagte Bush, er werde der Präsident aller Amerikaner sein, ob sie für ihn gestimmt hätten oder nicht. Seine geplante Steuererleichterung im Umfang von 1,3 Billionen $ (etwa 4,5 Billionen Mark) werde der zentrale Punkt seiner ersten Monate im Amt sein. "Es ist das Richtige für das amerikanische Volk, es ist das Richtige für unser Land. Es ist das Richtige, um sicherzustellen, dass unsere vielleicht lahmende Wirtschaft neuen Antrieb erhält, sagte er. Die Demokraten hatten den Plan kritisiert.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters kündigte Bush an, sich bald nach seiner Vereidigung mit den Verbündeten der USA in Verbindung setzten zu wollen. "Ich kann mir vorstellen, dass es viele Befürchtungen über einen Kerl gibt, der aus Texas kommt", sagte er. Viele der Staatschefs würden ihn nicht kennen und hätten alle möglichen Dinge über anstehende Entscheidungen gehört. Er wolle immer noch die US-Truppen vom Balkan abziehen, sagte Bush. Dies werde jedoch nicht sofort geschehen. Darüber machten sich Amerikas Verbündete Sorgen. "Sie werden sich keine Sorgen mehr machen, nachdem wir unsere Position erläutert haben", sagte Bush. Dies würden er und sein designierter Außenminister Colin Powell tun.



Nationales Raketenabwehrsystem soll gebaut werden

Bush kündigte zudem in dem Interview an, dass er trotz der Kritik aus Russland und China sowie der Sorgen Europas an dem Plan festhalten werde, das Nationale Raketenabwehrsystem (NMD) zu bauen. Er werde Russland klar machen, dass die USA nach einiger Zeit aus dem ABM-Vertrag von 1972 aussteigen würden, um ein Abwehrsystem zu erforschen. "Ich werde die Welt nicht so sehen, wie sie gewesen ist, sondern wie sie sein wird und das bedeutet die Bewertung von wirklichen Risiken", sagte Bush. Das Abwehrsystem soll nach US-Angaben das Land vor Raketenangriffen aus Ländern wie Nordkorea oder den Irak schützen.

Der Republikaner Bush hatte die Präsidentenwahl am 7. November knapp gegen seinen Konkurrenten von den Demokraten, Al Gore, gewonnen. Die Entscheidung fiel erst nach einem wochenlangen Rechtsstreit über die Stimmauszählung im entscheidenden Bundesstaat Floria. Seitdem hat Bush seine Kandidaten für die Ministerämter nominiert, von denen einige bereits im Kabinett seines Vaters, dem ehemaligen Präsidenten George Bush, gedient hatten. Gegenwärtig laufen vor dem Senat die Verfahren zur Bestätigung der Ministerposten. Bush übernimmt das Amt von dem Demokraten Bill Clinton.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×