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02.01.2003

17:14 Uhr

Vereinfachung immer wahrscheinlicher

Dosenpfand-Chaos bleibt aus

Das Dosenpfand-Chaos ist am ersten regulären Verkaufstag im neuen Jahr ausgeblieben. Das sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Rainer Baake, am Donnerstag in Berlin. Auch eine Sprecherin des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) bestätigte, es habe zwar einige verunsicherte Kunden gegeben, "aber im Großen und Ganzen ist der Tag gut verlaufen".

Foto: dpa

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HB/dpa BERLIN. Unterdessen wird eine rasche Vereinfachung der Dosenpfandregeln immer wahrscheinlicher - auch der Einzelhandel ist jetzt dafür.

Der Einzelhandel hatte sich trotz seines massiven Widerstandes im alten Jahr bis Donnerstag fast vollständig auf das neue Pfand eingestellt. 96 bis 98 % der Geschäfte hätten die Einwegverpackungen korrekt mit Pfand verkauft, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Der Absatz von Verpackungen, auf die das Dosenpfand erhoben wird, lief laut HDE nur schleppend an. Viele Kunden hätten sich offenbar bis Silvester mit großen Mengen pfandfreier Getränke eingedeckt. Wie sich das Dosenpfand weiter entwickle, werde erst in der nächsten Woche deutlich, wenn die Kunden das erste Mal größere Dosenmengen in die Geschäfte zurückbrächten. Dann werde sich zeigen, wie die Einzelhändler mit der Entsorgung zurecht kommen. Kritisiert wird an der neuen Pfandpflicht vor allem das uneinheitliche Rücknahmesystem.

Auch der Einzelhandel sprach sich nun für eine baldige Vereinfachung der Verpackungsverordnung aus. "Das macht zumindestens mehr Sinn als das Chaos, das wir jetzt haben werden", sagte HDE - Sprecher Hubertus Pellengahr in WDR 5. Nach dem Start des Dosenpfandes wisse kaum noch jemand, auf welche Verpackung und welche Dose Pfand erhoben werde.

Staatssekretär Baake warf dem Einzelhandel erneut vor, die Einführung das Pfandes nicht ausreichend vorbereitet zu haben. Er mahnte im ARD-Morgenmagazin eine bundesweit einheitliche Regelung der Rücknahme spätestens bis zur festgelegt Frist am 1. Oktober 2003 an. Baake zeigte sich optimistisch, dass bald eine einfachere Verpackungsverordnung möglich wird. Auch die Länder seien wohl zu einer Reform bereit. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will bis März einen Entwurf zur Rücknahme vorlegen. Dabei gehe es vor allem darum, die Dosen überall abgeben zu können. Dazu werde eine so genannte Clearingstelle nötig, die einen Ausgleich zwischen allen Handelsbeteiligten schafft.

Baake sagte, die Bundesregierung strebe ein generelles Pfand auf Einwegglas- und-kunststoffflaschen an. Die Umweltverbände rechnen damit, dass durch das Dosenpfand im ersten Quartal 2003 der Anteil der Mehrwegsysteme wieder deutlich zunehmen wird. Nach 50 % Mitte des Vorjahres prognostizieren sie jetzt einen Anstieg auf bis zu 65 %. Die gesetzliche Mehrwegquote liegt bei 72 %. Bei Deutschlands größtem Dosenhersteller Schmalbach-Lubecka (Ratingen) zeichnet sich bereits Kurzarbeit ab. Nach Auslisten von Getränkedosen durch mehrere Handelsketten hätten Abfüllfirmen Aufträge storniert.

Die bis zu 1000 Testeinkäufe am Donnerstagmorgen bei Öffnung der Geschäfte haben nach Angaben der Umweltverbände auch gezeigt, "dass es sich einige Unternehmen ganz einfach machen wollten". So habe die Handelskette Plus Dosen, für die eine Pfandpflicht gilt, zunächst mit einer Pfandmünze verkauft. Der Kunde konnte das Pfand aber wieder einlösen, ohne die Einweg-Verpackung zurückzugeben. Das Unternehmen wollte so offenbar Entsorgungskosten sparen. Auf massiven Druck hin lenkte Plus den Angaben zufolge allerdings ein.

Die Umweltschützer gehen davon aus, dass 98 % der Einweg- Verpackungen zurückgebracht und das Pfand wieder eingelöst würden. Die restlichen zwei Prozent verblieben beim Einzelhandel und könnten von diesem für die Entsorgung eingesetzt werden. Seit 1. Januar müssen Verbraucher für Einweg-Verpackungen mit Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken wie Cola oder Limonade bis 1,5 Liter Inhalt 25 Cent Pfand zahlen. Bei größeren Einweg- Getränkeverpackungen werden 50 Cent Pfand erhoben.

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