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27.06.2000

19:31 Uhr

Vereinte Nationen warnen vor sozialer Katastrophe

Aids dezimiert die Teenager-Generation in Afrika

Aids wird in einigen Ländern Afrikas die komplette Generation der heutigen Teenager auslöschen und das Sozial- und Wirtschaftsgefüge völlig zerstören. Mit dieser dramatischen Warnung hat sich das UN-Programm UNAIDS am Dienstag an die Weltöffentlichkeit gewandt.

ap GENF. Wie aus einer Studie von UNAIDS hervorgeht, breitet sich die Krankheit weltweit immer rasanter aus. Demnach infizierten sich allein im vergangenen Jahr weltweit rund 5,4 Millionen Menschen mit HIV. Am stärksten betroffen ist Botsuana, wo bereits 36 % der Erwachsenen infiziert sind. Seit Ausbruch der Krankheit sind dem Bericht zufolge weltweit 19 Millionen Menschen an Aids gestorben.

Der Höhepunkt ist nach Ansicht von UNAIDS noch lange nicht erreicht: "Wenn der Kampf gegen die Epidemie nicht drastisch verstärkt wird, ist der bereits entstandene Schaden gering im Vergleich zu dem, was noch kommt", heißt es in dem Bericht. In 16 Ländern - alle südlich der Sahara - seien mehr als ein Zehntel der 15- bis 49-Jährigen HIV-positiv. In Südafrika trage jeder Fünfte dieser Altersgruppe den Virus in sich, berichtet UNAIDS. "Eine komplette Generation wird ausgelöscht", warnte UNAIDS-Leiter Peter Piot. Nach seiner Einschätzung sind vier Mrd. Dollar pro Jahr notwendig, um mit Vorbeugungs- und Bildungsprogrammen eine Kehrtwende herbeizuführen.

Insgesamt sind der Studie zufolge in Südafrika 4,2 Millionen Menschen infiziert, mehr als in jedem anderen Land. UNAIDS schätzt, dass weltweit 34,3 Millionen Menschen mit HIV oder Aids leben, unter ihnen 1,3 Mill. Kinder.

In Afrika reduziert Aids die Lebenserwartung

Mit der Ausbreitung von Aids geht der Studie zufolge auch die Lebenserwartung in vielen afrikanischen Ländern stark zurück. In Simbabwe lag die Wahrscheinlichkeit, dass ein 15-Jähriger stirbt, bevor er 50 Jahre alt ist, 1983 bei 15 %, 1997 dagegen schon bei 50 %. "Aids ist zu einer umfassenden Entwicklungskrise geworden", heißt es in dem Bericht. Die Folgen seien nicht nur im Gesundheitsbereich, sondern auch im Erziehungswesen und in vielen Sparten der Wirtschaft spürbar. In der Zentralafrikanischen Republik habe die hohe Todesrate unter Lehrern beispielsweise zur Schließung von Schulen geführt.

In Nordamerika und Teilen Europas infizierten sich nach wie vor viele Drogenabhängige mit HIV, kritisiert UNAIDS und macht fehlende Programme zur Verteilung steriler Spritzen dafür verantwortlich. Trotz dieses düsteren Bildes gebe es aber auch Erfolgsmeldungen. So habe sich die Infektionsrate in Uganda seit Anfang der 90-er Jahre nahezu halbiert und lag 1999 dank Prävention und Aufklärungsmaßnahmen bei acht Prozent. Auch in Asien bleibe die Zahl der Neuinfektionen entgegen ursprünglicher Befürchtungen relativ niedrig.



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