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04.02.2003

19:55 Uhr

Verfahren bei Weltbank angedroht

Fraport verschärft Ton im Streit um Manila-Projekt

Der Flughafenbetreiber Fraport will ein Schiedsgericht bei der Weltbank anrufen, falls die philippinische Regierung im Laufe dieses Monats keine rechtlich bindende Entscheidung über die Zukunft des Terminal-Projekts in Manila trifft.

Reuters FRANKFURT. "Wir planen ein Schiedsgerichtsverfahren gegen die Regierung - es sei denn, es geschieht in den nächsten Tagen, eher als in Wochen, Signifikantes in Richtung einer für uns wirtschaftlich befriedigenden Lösung", sagte Fraport-Chef Wilhelm Bender am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters in Frankfurt. Fraport hat in das Terminal-Projekt in Manila bisher rund 380 Millionen Dollar investiert, die Zuflüsse wegen Unstimmigkeiten mit der neuen philippinischen Regierung aber Anfang 2002 gestoppt. Die unsichere Zukunft ihrer größten Auslandsinvestition gilt als größte Belastung der Fraport, die in diesem Monat ihren Jahresabschluss vorbereitet.

Das bei der Weltbank in Washington angesiedelte Schiedsgericht könne der philippinischen Regierung zwar nicht vorschreiben, wie sie das Problem zu lösen habe, sagte Bender. Stelle es aber einen Verstoß gegen das Investitionsschutz-Abkommen zwischen Deutschland und den Philippinen fest, wäre dies "wesentliche Grundlage, um später auch andere Verfahren in Gang zu setzen, etwa, um Schadenersatz zu erhalten." Zugleich warnte der Fraport-Chef vor den Folgen für die Philippinen. "Damit würde von einer so renommierten Institution wie der Weltbank bestätigt, dass die Philippinen als Investitionsstandort unsicher sind. Der Währungsfonds schaut sich so etwas genau an - und auch die Banken, die die Philippinen finanzieren".

Er würde es begrüßen, wenn das Problem ohne Schiedsgericht gelöst werden könnte, betonte Bender. Die Philippinen bekämen das Terminal aber nicht geschenkt. Für ein Schiedsgerichtsverfahren habe Fraport auch den Rückhalt der Bundesregierung. Das Unternehmen bemüht sich seit Monaten um einen Ausstieg aus dem Manila-Projekt, das mit einer Vorgängerregierung vereinbart und von politischen Querelen begleitet wird. Erst Ende November erklärte die philippinische Regierung alle Verträge über das neue Terminal am Flughafen Manila für nichtig und erhöhte damit nach Fraport-Einschätzung die Chancen auf Ausgleichszahlungen an das deutsche Unternehmen. Zuvor hatte die Gesellschaft erklärt, bis Ende des Jahres werde das Problem entweder gelöst sein oder Fraport werde die Investitionen abschreiben.

Zugleich bekräftigte Bender die Prognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mindestens 500 Millionen Euro für 2002 exklusive des Manila-Projektes. Als Teilfinanzierung für den geplanten Flughafenausbau erwäge Fraport 2005 die Ausgabe einer Unternehmensanleihe, sagte er. Das Unternehmen sei derzeit in Gesprächen über ein Rating.

Sollte das Geschäftsjahr normal verlaufen, wolle Fraport beim Passagieraufkommen am Frankfurter Flughafen im laufenden Jahr erstmals die 50-Millionen-Marke überschreiten, erklärte Bender. Unsicherheitsfaktoren seien allerdings ein Krieg am Golf, eine Rezession oder neue Anschläge. Ein Krieg im Irak werde indes die Fluggesellschaften härter treffen als Fraport, betonte Bender. Zum einen mache Fraport 70 Prozent des Ebitda nicht unmittelbar in der Luftfahrt, sondern etwa durch die Vermietung von Immobilien am Flughafen. Zum anderen trügen die Fluggesellschaften ein Drittel des finanziellen Risikos, sollten die Passagierzahlen wegen eines Krieges sinken.

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