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16.01.2002

17:19 Uhr

"Verhältnis zu Liberty entkrampfen"

Kofler wird neuer Premiere-Chef

Im Kampf um Abonnenten ist der neue Premiere-Chef Georg Kofler um ein entspannteres Verhältnis des Bezahlfernsehsenders zu dem künftigen Kabelnetz-Betreiber und möglichen Vertriebspartner Liberty Media bemüht.

Reuters MÜNCHEN. "Wir werden ganz entkrampfte Gespräche führen", sagte Kofler am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters in München. Die tief in den roten Zahlen steckende Pay-TV-Plattform des Medienkonzerns Kirch sei offen für alle Kooperationen mit Satelliten- und Kabelbetreibern und Händlern. Auch den mit seinem Ausstieg drohenden Kirch-Pay-TV-Anteilseigner Rupert Murdoch will Kofler mit besseren Ergebnissen besänftigen: "Wenn eine positive Tendenz erkennbar ist, lösen sich Gesellschafterfragen oft ganz allein", sagte er.

Die Führung von Liberty kenne er gut, da der US-Konzern auch an USA Networks beteiligt sei, dem Partner von HOT Networks, sagte der designierte Premiere-Chef. Kofler ist an dem Einkaufssender HOT Networks beteiligt und führt ihn auch. Liberty Media hatte seine Pläne, selbst bei Premiere einzusteigen, am Mittwoch zurückgezogen, aber eine Partnerschaft mit Kirch angeregt. "Wir werden schon ein Vertriebsmodell finden", sagte Kofler. In den nächsten zwei bis drei Monaten werde er intensive Gespräche mit Partnern führen. Die Ankündigung Murdochs, seinen 23-Prozent-Anteil an Kirch-Pay-TV im Oktober für einen vereinbarten Milliarden- Betrag zurückzugeben, mache ihm keine Angst. "Ich spüre da kein Damoklesschwert", sagte Kofler. "Kirch und Murdoch sind ja vernünftige Geschäftsleute."

Um Premiere in die schwarzen Zahlen zu führen, hat Kofler, der zum 1. Februar die Geschäftsführung des Senders übernimmt, drei Ansatzpunkte ausgemacht. Premiere müsse die Kosten senken, das Programm müsse übersichtlicher strukturiert werden und die Werbeaussagen bei gleich bleibenden Kosten klarer ausfallen. "Das Produkt muss dem Kunden nach drei oder vier Sätzen einleuchten." Geringere Kosten könnten auch bedeuten, dass Premiere nicht wie bisher geplant vier Millionen Abonnenten brauche, um profitabel zu arbeiten. Im vergangenen Jahr habe der Verlust in der Größenordnung von 500 Millionen Euro gelegen. Für Werbung und Marketing habe der Sender 2001 einen "deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Betrag" ausgegeben.

Auf einen Zeitraum, wann die Zeit der Verluste bei Premiere vorbei sei, wollte sich Kofler nicht festlegen. "Mein Vertrag läuft über mehrere Jahre. Das ist lange genug, dass ich eine realistische Chance habe, Premiere in die schwarzen Zahlen zu führen." Er werde sich mit neuen Zielen bald "aus dem Fenster lehnen". Leo Kirch habe ihn Anfang Dezember gefragt, ob er den Sender übernehmen wolle. "Hier gibt es sehr viel gut zu machen. Da kann man nicht lange überlegen."

Die Zahl der Abonnenten bei Premiere sei 2001 zwar nur auf 2,4 Millionen gestiegen, was unter den Planungen liege, doch sei der Bestand werthaltiger geworden, sagte Kofler. Ein Großteil der Kunden sei nun mit Verträgen zwischen zwölf und 24 Monaten gebunden.

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