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04.01.2001

18:35 Uhr

Verhandlung über Internetzugang für die neue Spielekonsole PS 2

AOL und Sony vor Web-Kooperation

VonR. A. GUTH (N. SHIROUZU, A. POSTINETT)

Sonys neue Spielekonsole Playstation 2 wird womöglich über AOL mit dem Internet verbunden. Entsprechende Verhandlungen laufen. Für AOL wäre dieser Abschluss ein weiterer Meilenstein in der Strategie, den größten Onlinedienst der Welt auf möglichst allen Internet-Zugangswegen anzubieten.

TOKIO. Der größte Onlinedienst der Welt, die America Online Inc. (AOL) , verhandelt mit dem Weltmarktführer im Spielekonsolen-Markt, Sony Computer Entertainment Inc., über eine Zusammenarbeit im Onlinebereich. Das berichten den Verhandlungen nahestehende Kreise. Die Gespräche laufen seit einiger Zeit und werden sich voraussichtlich noch bis in das nächste Jahr hinein ziehen. Überlegt werde, AOL-Software auf den neuen Playstation 2 (PS 2) vor zu installieren oder AOL-Software standardmäßig beizulegen. Weder AOL noch Sony wollten die Informationen auf Anfrage kommentieren.

Durch die Verbindung mit Sony bekäme AOL Zugang zum boomenden Markt für onlinefähige Spielekonsolen, der gerade durch die neue PS 2 einen enormen Schub erhalten hat. Trotz erheblicher Lieferverzögerungen will Sony bis Ende März 2001 rund 10 Mill. Einheiten weltweit ausliefern. Der Branchenverband IDSA rechnet damit, dass alleine der US-Markt für Videospiele (mit PC-Software) 2005 ein Volumen von 10 Mrd. $ erreichen wird (1999: 6,1 Mrd. $).

Noch sind die Sony-Konsolen nicht direkt onlinefähig. Doch zügig will Sony zunächst für die japanischen Boxen Aufrüstpakete anbieten. Dann sollen die europäischen und amerikanischen Märkte folgen. Der Unterhaltungsriese will die PS 2 als zentrale Schaltstelle im Haushalt und Bindeglied zwischen Internet, Fernsehen, und DVD-Video durchsetzen. Damit will Sony sich eine starke Ausgangsposition im Markt für Digitalunterhaltung aufbauen.

AOL mit seinen rund 24 Mill. Kunden weltweit setzt auf die Strategie, seine Online-Angebote auf möglichst vielen Plattformen wie PC, Mobiltelefone, Organizer oder eben Spielekonsolen anzubieten ("AOL anywhere") . Das Unternehmen hat im September bereits eine Kooperation mit dem größten japanischen Mobilfunkprovider NTT DoCoMo Inc. ("iMode") bekannt gegeben und hat eine strategische Partnerschaft mit dem Weltmarktführer für Computerspiele, Electronic Arts, der alle AOL-Online-Angebote im Spielebereich liefert. Ein Punkt könnte der Verbindung zwischen Sony und AOL noch im Wege stehen: Einige Sony-Manager befürchten, heißt es, dass sich die beiden Partner in Zukunft einmal selbst Konkurrenz machten könnten. Sony betreibt einen der größten landesweiten Internet-Service-Provider und überlegt, international zu expandieren. Dagegen steht derzeit allerdings die weltweite Präsenz von AOL, die Sony den Markteintritt mit einem Schlag ermöglichen würde und eine starke Antwort auf Herausforderer Microsoft darstellen würde, der Ende 2001 mit eine onlinefähigen Konsole (X-Box) Sonys Marktführerschaft angreifen will.

Gleichzeitig befindet sich AOL auch noch in Verhandlungen mit Toyota, Japans größtem Autobauer. AOL´s Online-Service in Japan soll mit Gazoo.com verlinkt werden, der Handelsplattform von Toyota. Das vor zwei Jahren eingerichtete Portal ermöglicht Onlineshopping, die Suche nach Toyota-Händlern und Recherchen. Toyota wollte die Informationen nicht kommentieren. Durch eine Verbindung von AOL mit Toyota dürfte die geplante Online-Kooperation zwischen Toyota und General Motors (GM) auf Eis gelegt werden. Im Februar hatte GM angekündigt, dass man mit Toyota kooperieren wolle, um über die Internet-Seite Gazoo Autos und Serviceangebote in Japan zu vermarkten.

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