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13.02.2002

19:00 Uhr

Verhandlungen mit Bayer über Gemeinschaftunternehmen – Pharmakonzern hebt Prognosen für seine Spitzenprodukte an

Aventis vor Rückzug aus Biologischen-Medika

VonSiegfried Hofmann

Angesichts guter Aussichten bei klassischen Medikamenten verliert Aventis das Interesse an therapeutischen Proteinen. Ein geplantes Joint Venture auf diesem Gebiet wird wohl von der Bayer AG geführt.

STRASSBURG. Nach dem Rückzug aus dem Industrie- und Agrogeschäft will sich die Aventis SA noch stärker auf das Geschäft mit klassischen Arzneimitteln und Impfstoffen konzentrieren. Das in der Tochter Aventis Behring konzentrierte und rund 1,1 Mrd. Euro starke Geschäft mit therpeutischen Proteinen betrachte man nicht mehr als Kernaktivität, sagte gestern Aventis-Vorstandsmitglied Igor Landau. Er bestätigte erstmals Gespräche mit dem Bayer-Konzern über ein Joint Venture bei den so genannten biologischen Produkten.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen laufen die Verhandlungen auf ein Gemeinschaftsunternehmen mit mehr als 2 Mrd. Euro Umsatz hinaus, bei dem Bayer die unternehmerische Führung übernehmen wird. Für Aventis hätte eine solche Lösung den Vorteil, dass man ein vergleichsweise renditeschwaches und kapitalintensives Geschäftsfeld nicht mehr konsolidieren müsste. Therapeutische Proteine wie Blugerinnungsmittel oder Immunglobuline müssen entweder gentechnisch produziert oder aus Blutplasma gewonnen werden.

Das Geschäft ist daher stark abhängig von der Rohstoff-Versorgung und würde in den kommenden Jahren relativ hohe Investitionen erfordern. Aventis Behring verfügt zwar über eigene Blutspende-Zentren, ist aber schwach bei gentechnisch hergestellten Produkten. Das bisherige Hauptprodukt Helixate bezieht Aventis bereits in Lizenz von Bayer, die das Mittel unter dem Namen Kogenate vertreibt. Die Produktionsprobleme der Leverkusener bei der Herstellung dieses Blugerinnungsmittels haben daher auch Aventis belastet. Bayer hatte im Herbst angekündigt, für das Geschäftsfeld Biologische Produkte einen Partner zu suchen.

Neben Behring steht bei Aventis weiterhin auch die 52-prozentige Beteiligung am Diagnostikahersteller Dade Behring zur Disposition. Dieses Engagement wird bisher schon als reine Finanzbeteiligung geführt, belastete den Aventis-Abschluss 2001 aber mit anteiligen Verlusten von mehr als 200 Mill. Euro.

Hinter der immer stärkeren Fokussierung auf klassische Arzneimittel steht eine wachsende Zuversicht für diesen Kernbereich. Im vorigen Jahr konnte Aventis im Pharmageschäft den vergleichbaren Umsatz um 15 % auf 17,7 Mrd. Euro und den Gewinn vor Steuern um 32 % auf 2,9 Mrd. Euro steigern. Der Abschluss, der letztmals die an Bayer verkauften Agro-Aktivitäten umfasst, weist bei knapp 23 Mrd. Umsatz einen Vorsteuergewinn von 2,9 Mrd. Euro aus, gegenüber 25 Mill. Euro Verlust im Vorjahr.

Vor allem die zentralen Pharmaprodukte, darunter Allegra (gegen Allergien), Lovenox (Thrombosen) und Taxotere (Krebs) verbuchten weiterhin starke Zuwachsraten. Weitere drei Produkte sollen in den kommenden Jahren mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz und damit Blockbuster-Status erreichen. Aventis hat daher seine Prognosen nochmals leicht angehoben und rechnet nun bis 2004 mit einem Umsatzwachstum im Schnitt von 11 bis 12% und einer Steigerung des Gewinns je Aktie um 25 bis 30 % pro Jahr.

Das Hauptrisiko für diese Prognose schlummert in einer möglichen Konkurrenz für Allegra durch Nahchahmerprodukte. Gegen den US-Hersteller Barr, der ein entsprechendes Mittel auf den Markt bringen will, hat Aventis Patentverletzungsklage erhoben. Im Gegensatz zu manchen Analysten schätzt Finanzchef Patrick Langlois das Risiko einer Niederlage als gering ein. Sollte es doch zu Konkurrenz für das Produkt kommen, werde Aventis im Jahr 2004 schwächer wachsen als der Markt. Aber auch dann könne der Konzern den Gewinn in den nächsten drei Jahren um durchschnittlich 20 bis 25 % steigern.

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