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02.04.2003

06:00 Uhr

Verhandlungen mit RTL

Kieft erwirbt Ufa in schweren Zeiten

Auf dem von Überkapazitäten geprägten deutschen Kinomarkt geht die Konzentration weiter: Die Lübecker Kieft & Kieft-Gruppe (Cinestar) hat zum 1. April den insolventen Konkurrenten Ufa übernommen. Damit steigt das Unternehmen, an dem der australische Kinogigant Union Greater mit 50 % beteiligt ist, zum Marktführer unter den deutschen Kinobetreibern auf.

HB/lip HAMBURG. "Mit dem Erwerb der Ufa-Kinos können wir unseren Marktanteil um 7 % auf 20 % ausbauen", erklären Marlis und Heiner Kieft, geschäftsführende Gesellschafter der Kieft & Kieft Filmtheater GmbH. Zweitgrößter Kinobetreiber in Deutschland ist die Hamburger Cinemaxx-Gruppe.

Künftig verfügt der Lübecker Kinobetreiber über 97 Filmtheater mit 145000 Sitzen und einem geplanten Umsatz für 2003 von rund 240 Mill. Euro. Kieft&Kieft erwirbt die Ufa-Gruppe mit ihren 31 Kinos aus der Insolvenz. Um von Altlasten befreit zu sein, übernimmt die Gesellschaft deshalb zusammen mit dem Fürther Werbevermarkter Rowo Holding die hierfür extra neugegründete Auffanggesellschaft Neue Filmpalast GmbH & Co. KG.

Die Ufa-Gruppe hatte 2. Oktober vergangenen Jahres Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen war wegen Missmanagements, zu hohen Mieten, einem besucherarmen Kinosommer und dem Rückzug der Hypo-Vereinsbank als Hausbank finanziell in Schlingern.

Die jetzige Erwerb erfolgt in einem schwierigen Umfeld. "In diesem Jahr wird der Markt trotz sensationeller Kinoerfolge wie beispielsweise "Good Bye, Lenin" bei 165 Millionen Kinobesuchen stagnieren", betont Kieft. Gründe hierfür seien die Irak-Krieg sowie die konjunkturelle Lage, die auf den Konsum drücken. Doch bereits im nächsten Jahr gehen Marlis und Heiner Kieft davon aus, dass der Kinomarkt in Deutschland wieder wächst. "Es wird dann wieder bessere Filme geben", betonen die Geschwister.

Dann soll die neue Ufa wieder Gewinne schreiben. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der insolventer Kinobetreiber einen operativen Verlust vor Abschreibung, Zinsen und Steuern (EBIT) von 12 Mill. Euro erwirtschaftet. Kieft&Kieft will die Rückkehr in die Gewinnzone durch harte Einschnitte erreichen. Dies soll vor allem durch Mietkürzungen und Einsparungen bei den Verwaltungskosten erfolgen. "An einigen Standorten konnten wir bereits Mietkürzungen von bis zu 50 % erreichen", erklärten die beiden Geschäftsführer.

Zudem wurden inzwischen 70 der 1000 Mitarbeiter entlassen, wodurch die Personalkosten laut Kieft um 10 % gesenkt werden konnten. "Für die entlassenen Mitarbeiter haben wir bereits mit dem Betriebsrat einen Sozialplan vereinbart", betont Marlis Kieft. Ob weitere Stellenstreichungen vorgenommen werden sollen, ließ sie aber offen. "Wir schauen uns derzeit jeden einzelnen Standort genau an", betont die Geschäftsführerin.

Unklar ist, ob die Kieft-Gruppe die Ufa unter ihrem traditionellen Namen weiterführt. Das Unternehmen führt derzeit mit der zum Gütersloher Bertelsmann-Konzern gehörenden TV-Gruppe RTL Gespräche über den Erwerb der Marken- und Lizenzrechte. "Wir sind nicht bereit, jeden Preis zu zahlen, um den Namen weiter zu führen", erklärten Marlis Kieft. Sollte man sich nicht einigen, sollen die Ufa-Theater künftig unter dem Kieft-Label "Cinestar" geführt werden.

Noch unklar ist die Lage bei den Ufa-Kinos in Berlin und Aachen. Hier sucht der Insolvenzverwalter noch "örtliche Einzellösungen." Die Kieft-Gruppe hatte sich entschlossen, diese beiden Standorte nicht zu übernehmen. Vor allem vom "Kino Royal Palast" in Berlin hatte der Lübecker Kinobetreiber Abstand genommen, da auf der dortigen Kinomarkt erhebliche Überkapazitäten bei den Leinwänden herrschen.

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