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11.02.2003

08:32 Uhr

Verkauf zahlreicher Aktivitäten

Deutsche Bank strafft US-Geschäft

Unter Josef Ackermann konzentriert die Deutsche das US-Geschäft auf Sparten mit hoher Rendite. Ihr langjähriges Ziel, im Investmentbanking zur Spitzengruppe aufzuschließen, liegt aber noch in weiter Ferne.

tmo NEW YORK. Für die Deutsche Bank in den USA war 2002 ein Jahr der Fokussierung. Unter ihrem Chef Josef Ackermann zog sich der Konzern aus den amerikanischen Sparten Leasing, Wertpapierverwahrung, indexorientierte Vermögensverwaltung und Verbraucherkredite zurück . Gleichzeitig übernahm die Bank den US-Vermögensverwalter Scudder und baute damit ihr Asset Management in den USA stark aus. Im Investmentbanking verringerte sie den Abstand zu den Topadressen an der Wall Street.

"Insgesamt haben sie sich in einem schwierigen Umfeld gut geschlagen und das US-Geschäft viel klarer fokussiert", sagt Bankanalyst Mark Hoge von der Bank of America. Mit der Scudder-Übernahme sei die Deutsche Bank zu "einem der ganz wenigen global aufgestellten Vermögensverwalter" aufgestiegen, sagt Hoge. Auch Analyst Jeremy Sigee von Salomon Smith Barney lobt das geschärfte Profil der Deutschen Bank.

Im US-Investmentbanking kletterte die Deutsche Bank auf Rang sieben, rechnet man die Marktanteile im Aktien- und Anleihegeschäft und bei Fusionen und Übernahmen zusammen. Die Frankfurter zogen an UBS Warburg vorbei und haben von den europäischen Banken nur noch Credit Suisse vor sich. Deren Tochter, Credit Suisse First Boston wird von den USA aus geführt.

Im Investmentbanking spielten die Frankfurter ihre Stärke im Anleihebereich auch an der Wall Street aus. Diese Sparte lief 2002 deutlich besser als Aktienemissionen und die Beratung bei Fusionen und Übernahmen, die als Königsdisziplin gilt. Im Bereich US-Hochzinsanleihen verdoppelten die Deutschbanker ihren Marktanteil auf knapp 13 % und wurden zweitgrößtes Emissionshaus mit einem Volumen von 7,6 Mrd. $. "Sie haben vergangenes Jahr einige gute Leute abgeworben", sagt Analyst Hoge. Erst vor kurzem wechselten zwei führende Anleiheexperten von Lehman Brothers zur Deutschen Bank. Sie sollen das US-Geschäft mit halbstaatlichen Emittenten (Government Agencies) vorantreiben, wo die Deutsche Bank laut der Agentur Bloomberg im vergangenen Jahr vom dritten auf den siebten Platz zurückfiel.

Das langjährige Ziel, unter die drei größten Investmentbanken weltweit vorzustoßen, hat Konzernchef Ackermann erst kürzlich bekräftigt. Dazu müssten die Deutschbanker ihre Position auf dem wichtigen US-Markt allerdings weiter ausbauen. Als Erfolg in der allgemeinen Marktflaute verbuchten sie, dass sie einer von drei Konsortialführern beim Börsengang der Kabelfernsehsparte von AOL Time Warner wurden. Er hat ein Volumen von vier bis sechs Mrd. Dollar. "Das kam nicht überraschend, wenn man den kontinuierlichen Aufstieg der Deutschen an der Wall Street beobachtet hat", sagt Analyst Hoge.

Allerdings setzt Ackermann nicht mehr auf Expansion pur. Stattdessen konzentriert der neue Chef auf einzelne Geschäftsfelder, die hohe Renditen versprechen. Andere Bereiche werden radikal aussortiert. So verkaufte er im Herbst die Sparte Wertpapieraufbewahrung (Custody) für mindestens 1,1 Mrd. $ (endgültiger Preis steht noch nicht fest) an das Bostoner Finanzhaus State Street. Das Geschäft stammt ursprünglich vom US Bankers Trust, -Institut das die Deutsche Bank Ende der neunziger Jahre übernommen hatte. Die Deutsche wurde seinerzeit weltweit zum fünftgrößten Wertpapieraufbewahrer.

Außerdem ging die US-Leasingtochter Deutsche Financial Services (DFS) an eine Tochter des Mischkonzerns General Electric Co. Das Verbraucherkredit-Geschäft von der DFS verkaufte die Deutsche Bank an den Online-Broker E-Trade. Die passive Vermögensverwaltung, die mit ihren Aktieninvestitionen führende Indizes nachbildet und damit an deren Wertentwicklung gekoppelt ist, ging mit einem Volumen von 120 Mrd. $ für einen geschätzten Erlös zwischen 144 und 161 Mill. $ an die Chicagoer Bank Northern Trust.

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