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30.01.2002

13:20 Uhr

Verlag will Verkaufsoption ausüben - Kirch wehrt sich

Springer bringt Kirch in Finanznöte

Der Axel Springer Verlag und sein Mitgesellschafter Leo Kirch gehen auf einen harten Konfrontationskurs.

dpa/rtr MüNCHEN/HAMBURG. Auslöser ist der Verkauf von Springer-Anteilen an dem Fernsehkonzern Pro Sieben SAT.1. Vorstand und Aufsichtsrat bei Springer beschlossen am Mittwoch in Hamburg, eine mit der Kirch- Gruppe vereinbarte Verkaufsoption auszuüben und das 11,5-Prozent- Paket an dem Fernsehkonzern für dem Vernehmen nach etwa 770 Mill. ? (1,5 Mrd DM) an die Kirch-Gruppe zu veräußern. Kirch erklärte die Option umgehend für juristisch unwirksam und kündigte rechtliche Schritte an.

Die Entscheidung der Springer-Gremien über die Ausübung dieser Put-Option galt in der Branche als heikel, schließlich ist Leo Kirch mit 40 % an dem Verlag beteiligt. Allerdings galt die Vereinbarung in der Öffentlichkeit bisher als unumstritten, auch wenn der bereits vor mehr als einem Jahr vereinbarte Verkaufspreis um ein Vielfaches über dem heutigen Börsenwert des Pakets liegt. Eine Verlagssprecherin sagte: "An der Gültigkeit des Vertrags gibt es keinen Zweifel."

Springer hatte sich bei der Fusion seiner Beteiligung SAT.1 mit Pro Sieben die Option gesichert, seinen Anteil an dem neuen Unternehmen Anfang 2002 zum Festpreis verkaufen zu können. Nach Einschätzung der Kirch-Gruppe wurden bei der notariellen Beurkundung der Option auf Wunsch des Springer-Verlags wesentliche Vertragselemente bis zum heutigen Tag nicht geregelt. Springer habe die Steuerfreiheit bei Beteiligungsveräußerungen abwarten wollen, hieß es in Branchenkreisen. Wegen der offenen Punkte seien die Vereinbarungen unwirksam, erklärte Kirch. Zuletzt habe man Alternativen vorgelegt, die das Problem gelöst hätten. Der Springer- Verlag habe aber auf Vollzug der damaligen Vereinbarungen bestanden.

Laut Informationen aus Branchenkreisen hatte Kirch dem Verlag angeboten, einen Teil des Kaufpreises in bar und den Rest mit Anteilen an der Kirch Media AG zu zahlen, die mit Pro Sieben SAT.1 verschmolzen werden soll. Angeblich habe der Springer-Verlag in der vergangenen Woche Zustimmung zu einer solchen Regelung signalisiert. Kurzfristig sei das Einverständnis aber zurückgezogen worden.

Leo Kirch und der Springer-Verlag hatte in den vergangenen Wochen hart über einen Aufschub verhandelt. Tag und Nacht wurden auch mit Hilfe externer Berater Alternativen geprüft. Dem Vernehmen nach war Springer eine Beteiligung an einer der Kirch-Gesellschaften aber zu risikoreich. Der Zahlungsaufschub von drei Monaten, der Kirch nun gegeben wird, war nach Angaben des Verlags Teil der ursprünglichen Vereinbarung gewesen. Er sei keine Konzession an Kirch.

Wenn Kirch den Kaufpreis komplett in bar zahlen müsste, würde das den Druck auf seine finanziell angeschlagene Gruppe erhöhen. Die Gesamtverschuldung der Gruppe beläuft sich auf fünf bis sechs Mrd. ?. Zudem kann auch Rupert Murdoch im Herbst eine milliardenschwere Rechnung auf den Tisch legen. Falls der Bezahlsender Premiere World bis dahin bestimmte Ziele nicht erreicht, kann der Medienmogul seine 22-Prozent-Beteiligung am Kirch-PayTV für mehr als 1,5 Mrd. ? an Kirch zurückgeben.

Spätestens diese Forderung könnte das gesamte Imperium Kirch nach Einschätzung von Beobachtern ins Wanken bringen. Allerdings hatte Murdoch in den vergangenen Wochen signalisiert, dass er sich auch vorstellen könne, bei Premiere engagiert zu bleiben. Zunächst aber muss möglicherweise erst einmal die Springer-Rechnung beglichen werden. Die Bayerische Landesbank wollte am Mittwoch nicht kommentieren, ob sie Kirch gegebenenfalls wieder beispringen würde. Laut Medienberichten hat die halbstaatliche Bank der Kirch-Gruppe bereits Kredite mit einem Volumen von 2,2 Mrd. ? gegeben. Die Landesbank sei auch noch eingesprungen, als private Kreditinstitute längst abgewunken hatten.

Springer: Anfechtung von Put-Option durch Kirch ohne Bestand

Der Axel Springer Verlag sieht indessen keinen juristischen Bestand für die Ansicht der Münchner Kirch-Gruppe, die Ausübung der Option zum Verkauf von ProSiebenSat.1-Anteilen sei nicht wirksam. "Der Versuch der Kirch-Media, die im Jahr 2000 auf Wunsch der Kirch-Gruppe vereinbarte Call-Put-Option nach Ausübung anzufechten wird juristisch keinen Bestand haben", sagte eine Springer-Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Der Verlag hatte zuvor erklärt, die Option zum Verkauf seines 11,5-prozentigen Anteils an der Senderfamilie auszuüben. Kirch hält dies für unwirksam und kündigte rechtliche Schritte an.

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