Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2001

21:24 Uhr

Verlage entdecken das Geschäft mit der Briefzustellung – FAZ und WAZ gründen Logistik-Tochterunternehmen

Tageszeitungen machen der Post Konkurrenz

VonH.-P. SIEBENHAAR und VANESSA KEPPLER

Die Post bekommt Konkurrenz: Tageszeitungen steigen in das Logistik-Geschäft ein. Künftig sollen die Austräger nicht nur das eigene Blatt zustellen, sondern auch Briefe. Verlage wie WAZ und FAZ versprechen sich davon ein lukratives Geschäft für die Zukunft. Über ein bundesweites Netz wird in der Branche diskutiert.

DÜSSELDORF. Die Tageszeitungen in Deutschland entdecken das Geschäft mit der Briefzustellung. Längst haben sich die traditionellen Zeitungsverlage zu weit verzweigten Medienunternehmen gewandelt. Nach Radio und Internet steigen die überwiegend mittelständischen Firmen ins Logistikgeschäft ein. Schwergewichte der Branche wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) planen in den nächsten Monaten in der Region neben Zeitungen auch Briefe zu verteilen. Kleinere Blätter wie das "Darmstädter Echo", "Sächsische Zeitung" (Dresden) oder "Mainpost" (Würzburg) sind bereits im Post-Geschäft.

Der Vorteil für die Geschäftskunden ist klar: Die Briefe werden billiger als mit der Gelben Post transportiert - rund zehn Prozent unter dem üblichen Porto. Die Deutsche Post AG, Bonn, gibt sich dennoch gelassen. Die neuen Konkurrenten würden aber ernst genommen, erklärte gestern ein Post-Sprecher auf Anfrage.

Vor allem regionale Tageszeitungen verfügen über ein großes Vertriebsnetz, das bisher nur für ein Produkt, die Zeitung, genutzt wird. Was liegt also näher, als den traditionellen Austräger auch für weitere Aufgaben einzusetzen. Unabhängig vom - keineswegs schon beschlossenen - Wegfall des Briefmonopols zum Jahr 2003 wollen sich viele Tageszeitungen als Logistikdienstleister in regionaler Konkurrenz zur Post fest im Markt etablieren.

Um Standardbriefe verteilen zu dürfen, brauchen die Verleger auf Grund des Briefmonopols eine so genannte D-Lizenz. Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation vergibt diese jeweils für ein begrenztes Gebiet. Über Kooperationen mit anderen Verlagen bilden sich bereits größere Netzwerke. So beabsichtigt z. B. die Arriva GmbH Briefe und Service, Freiburg, innerhalb von zwei Jahren ganz Baden-Württemberg zu erschließen. Das Logistik-Unternehmen ist ein Joint Venture der beiden Regionalzeitungen "Südkurier" (Konstanz) und "Badische Zeitung" (Freiburg). In der Branche wird sogar darüber nachgedacht, eines Tages ein bundesweites Netz von regionalen Logistikunternehmen zu etablieren, das es dann mit der Gelben Post aufnehmen könnte. Zur Zeit ist das aber noch Zukunftsmusik. Doch die Marschrichtung ist klar: "Es ist unbedingt erforderlich, einen großen Raum zu bedienen", sagt Lars Tisken, Geschäftsführer der FAZ Medienservice GmbH, -Tochter Mörfelden-Walldorf. "Wenn die Verlage sich einig sind, kriegt die Post ein Problem", sagt Hans-Joachim Eberlein von der Mainpost GmbH, -Logistik Würzburg.

Im informellen "Bad Kreuznacher Kreis" treffen sich bereits einige Tageszeitungsvertreter, um gemeinsam über das neue Geschäftsfeld Logistik nachzudenken. Die Essener WAZ-Gruppe wird bis Ende März ins Briefgeschäft im Ruhrgebiet einsteigen, wie Vertriebschef Peter Imberg dem Handelsblatt erklärte. Eine Vermischung von Logistikleistungen (Zeitung und Briefe) werde es aber nicht geben. Über ein Tochterunternehmen sollen die Mitarbeiter per Auto, Roller und Fahrrad im nordrhein-westfälischen Verbreitungsgebiet die Sendungen zustellen.

Während die WAZ ihren Weg im Alleingang beschreitet, bauen sowohl FAZ als auch "Sächsische Zeitung" auf die Marktkenntnisse eines erfahrenen Logistik-Dienstleisters, der Fiege Gruppe, Greven. Über die gemeinsame Firmentochter Medienservice soll bereits im zweiten Quartal dieses Jahres mit der Briefzustellung zunächst in Frankfurt, später im gesamten Rhein-Main-Gebiet, begonnen werden.

Bereits vor über einem Jahr gründete die "Sächsische Zeitung" mit Fiege die Media Logistik GmbH & Co. Neben der Zeitung stellen die Mitarbeiter im Raum Dresden seitdem Briefe, Prospekte, Kataloge und Warensendungen zu. Monatlich verteilt der Verlag 23 000 Briefe. Bereits Ende diesen Jahres rechnet Geschäftsführer Bernd Rademann damit, Gewinne zu machen.

Als ein Vorreiter der Branche gilt das "Darmstädter Echo". Rund 150 Zusteller verteilen im südhessischen Raum zwischen 4 und 6 Uhr die Zeitung mit einer Auflage von 120 000 Exemplaren. Nach einer einstündigen Pause folgen dann die Briefe. Dafür gründete der Verlag die Maximail GmbH, Darmstadt. Zu Beginn des Jahres 2002 soll das Unternehmen bereits schwarze Zahlen schreiben.

Unter den Kunden sind lokale Banken und Kommunen zu finden. Wie Vertriebsmanager Rainer Köhler erklärt, werden Tag für Tag 10 000 Briefe befördert - Tendenz steigend. Maximail profitiert indirekt von den hohen Posttarifen. Das junge Unternehmen befördert Briefe bis 20 Gramm für 0,93 DM, 17 Pfennig weniger als die Deutsche Post AG.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×