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07.06.2000

17:29 Uhr

Reuters FRANKFURT. Schwache Vorgaben aus den USA und mangelnde Investitionsbereitschaft der Anleger am Tag vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch belastet. "Wir warten einfach den Donnerstag ab und schauen, was passiert. Alles andere ist Lesen im Kaffeesatz", kommentierte ein Händler den als träge beschriebenen Handel. Bei insgesamt geringen Umsätzen verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) im Handel bis gegen 17.15 Uhr MESZ 80,61 Punkte oder 1,10 % oder auf 7279,19 Zähler. Am deutlichsten gaben dabei die Aktien der Deutschen Telekom nach, die 5,2 % verloren.

Volkswirte erwarten überwiegend, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Zinsen um 0,25 %punkte auf dann 4,00 % anhebt. Dennoch warte der Markt ab, ob die Entscheidung tatsächlich so getroffen werde und ob die EZB die Richtung der zur künftigen Zinsentwicklung in der Euro-Zone andeute, sagten Händler. Mehrere Händler halten es für möglich, dass der Aktienmarkt nach den Kursgewinnen der Vorwoche noch einige Tage nachgibt.

An der Wall Street in New York gaben die Kurse nach ihren Abschlägen am Dienstag bis zum Mittwochnachmittag weiter nach. Der Dow-Jones-Index verlor 0,15 % auf 10 719 Zähler, der technologielastige Nasdaq-Index ermäßigte sich um 0,5 % auf 3737 Punkte. Händler hatten die nachgebenden Kurse damit begründet, dass am Markt wieder Befürchtungen aufgekommen seien, dass die US-Notenbank die Zinsen in den USA mlglicherweise doch weiter anheben könnte. Daher warte der Markt vor allem auf die für Freitag angekündigten US-Erzeugerpreiszahlen, die Hinweise auf die US-Konjunktur geben würden. In der vergangenen Woche hatten überraschend schwache Arbeitsmarktdaten zu nachlassender Besorgnis über mögliche weitere Zinsanhebungen geführt. Die Aktien der Deutsche Telekom lagen am Nachmittag mit 67,95 Euro noch knapp fünf Prozent im Minus, nachdem sie im frühen Handel sogar bis auf 67,11 Euro gefallen waren. Händler halten es für wahrscheinlich, dass der Kurs wegen der bevorstehenden Emission der neuen Aktien durch Großinvestoren gedrückt wird, um den Ausgabepreis der neuen Papiere, der an den aktuellen Kurs gekoppelt ist, gering zu halten. Zudem wurde auf Überlegungen des Indexanbieters Stoxx verwiesen, wonach die Index-Gewichtung künftig auf Basis des Streubesitzes eines Aktientitels ermittelt werden soll. Dadurch würde sich die hohe Gewichtung der Telekom in den Stoxx-Indizes deutlich verringern. Fonds, die die Stoxx-Indizes nachbilden, würden dann Telekom-Aktien abgeben, was den Kurs belasten würde.

Allianz verloren im Zuge des von der Deutschen Bank reduzierten Beteiligungsbesitzes weiter und wurden mit einem Abschlag von 1,6 % bei 368,80 Euro gehandelt. Die Deutsche Bank hatte am Montag mitgeteilt, ihren Anteil an Allianz-Aktien um 2,9 %punkte auf 4,1 % verringert zu haben. Auf der Gewinnerseite standen die großen Chemiewerte, bei denen am Morgen noch mit einem negativen Tagestrend auf Grund erwarteter Herabstufungen gerechnet worden war. BASF verteuerten sich Prozent auf Euro, nachdem sie am Dienstag noch fünf Prozent verloren hatten. Die Papiere werden seit Mittwoch auch an der New Yorker Börse gehandelt. Bayer stiegen 2,3 % auf 42,5 Euro, Schering legten 0,7 % auf 56,51 Euro zu. Der MDax für die Nebenwerte gab 0,86 % auf 4534,30 Zähler nach. Die Aktien des Autozulieferer Kiekert stiegen nach der Ankündigung einer Übernahme um gut 20 % auf 34,80 Euro. Klöckner-Werke stiegen in Aussicht auf ein angekündigtes Übernahmeangebot des Immobilienkonzerns WCM 5,9 % auf 21,12 Euro.



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