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30.03.2003

17:45 Uhr

Verluste unter der Zivilbevölkerung

Kampf um Sympathie wird immer schwieriger

Keine zwei Wochen nach Kriegsbeginn stellt Bagdad mit seiner Guerilla-Taktik das Ziel der Amerikaner und Briten in Frage, Verluste unter der Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten. Der "schmutzige Krieg", den Saddam Hussein nach Darstellung der USA führt, droht zu einem Problem für die Alliierten zu werden.

HB/dpa WASHINGTON. Washington will der erhofften Demokratisierung des Irak und der gesamten Nahost-Region nicht durch Hass auf die "Befreier" den Boden entziehen. Auch um die Sympathie der Iraker zu gewinnen, vergisst US- Präsident George W. Bush in keiner Rede, auf einen großen Unterschied der Kriegsparteien hinzuweisen. Während die alliierten Soldaten der irakischen Bevölkerung Respekt zollten und Menschenleben schonten, begingen die Anhänger des Regimes in Bagdad kriminelle Taten.

Doch bei jeder Aktion durch Zivilisten oder als Zivilisten getarnte Kämpfer, je nach Lesart, wächst an der Front die Versuchung, hart zurückzuschlagen. Der unerwartete Widerstand hat einige Offiziere und Ex-Militärs schon zu der Forderung veranlasst, aggressivere Luftangriffe zu fliegen. Das würde bedeuten, größere zivile Opfer in Kauf zu nehmen.

Reporter der "New York Times" haben berichtet, dass die Marineinfanterie bereits weniger Sorgfalt walten ließ, als zehn ihrer Kameraden bei einem Feuergefecht mit Gegnern getötet worden waren, die sich unter Frauen und Kinder gemischt hatten. "Jetzt geht es voll drauf", zitierte sie einen Offizier. Andere Offiziere gäben die Order aus, falls nötig militärische Ziele auch dann anzugreifen, wenn sie sich in Schulen oder Wohngebäuden befänden.

Offiziell wird eine Änderung der Taktik kategorisch verneint. US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterstreicht, die Zurückhaltung sei kein Zeichen der Schwäche. Das Gegenteil sei richtig: "Wegen unserer überwältigenden Macht und unserer Siegesgewissheit glauben wir, dass wir das Regime beseitigen und gleichzeitig unschuldiges Leben schonen können."

Je länger der Krieg dauert und je mehr Raketen oder Bomben in Wohngebieten landen sollten, desto problematischer dürfte aber die Lage für die Angreifer werden. Militärisch sei eine Niederlage Saddams nur eine Frage der Zeit, meinte der konservative US-Kolumnist Patrick Buchanan im Fernsehen. "Politisch wird er weltweit gewinnen, desto mehr Tage verstreichen, desto mehr die Alliierten Bagdad zermalmen und desto mehr Zivilisten wir töten", sagte er.

Einer der vom Pentagon als "Armsessel-Generäle" verspotteten Ex- Offiziere meinte, die Amerikaner besäßen im Irak und Nahen Osten ohnehin keine Sympathien. Daher solle man erst einmal möglichst schnell siegen und dann die Menschen durch Taten gewinnen. Andere warnten, ein härteres Vorgehen würde das Regieren in einem besiegten Irak ungleich schwerer machen. Während des Krieges von heute dürfe der Friede von morgen nicht aus den Augen verloren werden, getreu dem Motto des preußischen Generals und Militärphilosophen Carl von Clausewitz: "Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln." Spätestens seit der Niederlage im Vietnamkrieg, in dem die Soldaten sich über die "politischen Fesseln" beklagten, ist das bei der kämpfenden Truppe nicht unbedingt populär.

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