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12.01.2001

20:12 Uhr

Reuters FRANKFURT. Die Höhe des vermutlich über 300 Euro liegenden Ausgabepreises der Aktien der Deutschen Börse AG ist am Finanzplatz Frankfurt auf Kritik gestoßen. Der voraussichtliche Emissions-Preis sei "nicht gut", da die Aktie dadurch für Kleinanleger weniger attraktiv sei, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag in Frankfurt. Der Sinn und Zweck des Börsengangs werde geradezu konterkariert. Auch Analysten und Bankenvertreter reagierten skeptisch auf die Ankündigung der Börse vom Donnerstag, den geplanten Aktien-Splitt im Verhältnis 1:13 zu streichen, wodurch das Papier der Firma rechnerisch 13-Mal teurer als geplant werden dürfte. Die Börse verwies indes darauf, dass der Preis der Aktie nur "optisch" höher sein werde.

Anfang Februar will die Deutsche Börse AG ihre Aktien in den Amtlichen Handel in Frankfurt aufnehmen lassen. Zuvor waren mehrere Kapitalmaßnahmen geplant, über die eine außerordentliche Hauptversammlung am Donnerstag abstimmen sollte. Das Kapital sollte auf 95,4 Mill. Euro von zuvor 18,8 Mill. mit anschließendem Aktien-Splitt von 1:13 zu einem Nominalwert von einem Euro aufgestockt werden. Für beide Schritte bedarf es den Angaben der Börse zufolge eines Jahresabschlusses, der jedoch für 2000 noch nicht vorliegt. Beide Vorschläge sollen daher von der Tagesordnung für das Aktionärstreffen gestrichen werden. Durch den Wegfall des Splitts könnte die Aktie der Deutschen Börse Experten zufolge bis zu 360 Euro kosten. Eine weitere Kapitalerhöhung gegen Bareinlage, aus der das zu platzierende Aktienpaket stammen wird, soll allerdings wie geplant realisiert werden.

Verschiebung des Börsengangs vermeiden

DSW-Geschäftsführer Nieding, der zugleich Mitglied des Börsenrats ist, bezeichnete den durch den Wegfall des Aktien-Splitts bedingten Emissionspreis im dreistelligen Euro-Bereich als "schade". "Es wäre besser gewesen, wenn Kleinanleger miteinbezogen worden wären." Offensichtlich wolle die Börse eine Verschiebung des Börsengangs auf jeden Fall vermeiden. Auch bei Bankenvertretern stieß der Wegfall der Kapital-Neueinteilung auf Skepsis. "Die Aktie ist Retail-mäßig überhaupt nicht zu vermarkten", sagte der Vertreter eines beteiligten Geldhauses. Zudem werde bei einem derartig hohen Ausgabepreis und der dadurch zu erwartenden Liquiditäts-Knappheit die Zielsetzung in Frage gestellt, dass auch ausländische Investoren das Papier zeichnen.

Ein Sprecher der Börse begründete den Wegfall des Aktien-Splitts damit, dass seine Gesellschaft "so früh wie möglich" an den Markt wolle. "Die Deutsche Börse will vollständig aufgestellt und flexibel sein." Die Deutsche Börse musste ihren bereits für das vergangene Jahr geplanten Börsengang wegen der angestrebten - aber später gescheiterten - Fusion mit der Londoner Börse verschieben. Auch teilte die Clearing-Sparte der Börse erst vor kurzem mit, sie müsse die ihre Kooperations-Gespräche mit dem London Clearinghouse wegen des Börsengangs der Muttergesellschaft aussetzen. Nach Einschätzung des Sprechers ist die Emission der Börse auch ohne den Aktien-Splitt für Privatanleger attraktiv.

Ausgabepreis weiter nicht offiziell bekannt

Wie viel die Börse am Markt verkaufen will und wie hoch der Ausgabepreis letztlich sein wird, ist weiter nicht offiziell bekannt. Die Deutsche Bank und auch andere an der Emission beteiligte Geldhäuser bewerten die Börse durchschnittliche mit 3,6 Mrd. Euro. Bankenkreisen zufolge dürfte die Firma nach der Kapitalerhöhung gegen Bareinlage ein Grundkapital von etwa 10,2 Mill. Aktien haben, von denen knapp ein Drittel, also bis zu drei Mill. Papiere am Markt verkauft werden. Rein rechnerisch könnte somit jede Aktie einen Ausgabepreis von bis zu 360 Euro haben. Auch abzüglich eines Preisnachlasses dürfte das Papier deutlich mehr als 300 Euro kosten.

Der Wegfall des Aktien-Splitts sei "völlig überraschend", hieß es bei einigen am Börsengang beteiligten Banken. Dass die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln wohl gestrichen werde, habe sich dagegen bereits abgezeichnet. Einige Finanzmarktvertreter rätselten über die Motive der Deutsche Börse für die Änderungen bei den Emissions-Plänen. "Der Jahresabschlusses dauert wohl länger, und die Börse will offensichtlich nicht warten", hieß es. Warum die Börse es so eilig habe, wisse er auch nicht, sagte ein Analyst. "Da tappe ich völlig im Dunkeln." Ein anderer Analyst warf der Börse vor, überstürzt zu handeln: "Es scheint, als soll der Börsengang mit Gewalt durchgezogen werden.

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