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19.06.2000

09:09 Uhr

Verschwundene Computer-Festplatten

US-Energieminister glaubt nicht an Spionage in Los Alamos

dpa WASHINGTON. Im Fall der wochenlang verschwundenen Computer- Festplatten aus dem Atomlabor in Los Alamos geht die US-Regierung nicht von Spionage aus. US-Energieminister Bill Richardson sagte am Sonntag, er sei "ziemlich sicher", dass es keine Spionage gab. Vielmehr habe vermutlich ein Wissenschaftler die Festplatten verlegt und dann versucht, das Ganze zu vertuschen. Das Bundeskriminalamt FBI konzentriere sich bei seinen Ermittlungen zurzeit auf einige Wissenschaftler, die sich bei den Lügendetektortests in Widersprüche verwickelt hätten, sagte Richardson.

Das FBI hatte 26 Mitarbeiter des Labors, die unbeschränkten Zugang zu dem Bunker mit den Festplatten hatten, einem Lügendetektortest unterzogen. Auch 60 weitere Mitarbeiter, die in Begleitung in den Bunker durften, wurden vernommen. Das FBI setzte auch die Untersuchung der Festplatten fort. Dabei soll vor allem festgestellt werden, ob die Daten kopiert wurden. Dies ist aber schwierig und kann nach Ansicht von Experten Wochen dauern.

Von Seiten der Republikaner mehrte sich unterdessen die Kritik. Präsidentschaftskandidat George Bush sprach von einem "Chaos" und machte die Regierung verantwortlich. Senator John Kyl forderte den Rücktritt des Energieministers. Er sei für die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich. Senats- Mehrheitsführer Trent Lott warf dem Minister vor, er habe sich nicht genügend um das Problem gekümmert.

Die Festplatten waren hinter einem Kopierer gefunden worden - an einer Stelle, die Tags zuvor bereits gründlich abgesucht worden war. Sie lagen nicht weit von dem unterirdischen Bunker, aus dem sie vor Wochen verschwunden waren. Die Datenträger gehören zur Ausrüstung einer Spezialeinheit des US-Energieministeriums, dem Nuclear Emergency Security Team (NEST), das bei Zwischenfällen mit Atomwaffen zur Entschärfung der Sprengsätze eingesetzt werden soll.



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