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18.01.2002

00:00 Uhr

Versicherer erhöht Commerzbank-Anteil

Münchener Rück läutet Bankenfusion ein

Die Münchener Rück will bei der Konsolidierung des deutschen Bankenmarkts offenbar kräftig mitmischen. Überraschend gab der weltgrößte Rückversicherer am Donnerstag bekannt, dass er seine Beteiligung an der Commerzbank weiter aufgestockt habe. Damit heizten die Münchener Spekulationen über einen Zusammenschluss der Commerzbank mit der Hypo-Vereinsbank (HVB) an.

Möglicherweise bald mit der Hypo-Vereinsbank unter einem Dach: die Commerzbank. Foto: dpa

Möglicherweise bald mit der Hypo-Vereinsbank unter einem Dach: die Commerzbank. Foto: dpa

mm/mwb/rob FRANKFURT/M. Mit einem Anteil von 10,4 Prozent ist der Rückversicherer nun der größte Aktionär der Commerzbank. Gleichzeitig halten die Münchener 25,7 Prozent an der HVB, dem zweitgrößten deutschen Finanzhaus.

Als größter Aktionär der Frankfurter Bank nehme der Münchener Konzern die Position "eines interessierten Beobachters ein", sagte ein Sprecher. Nach der neuen Gesetzeslage hätte der Versicherer erst am 1. April seine über Spezialfonds indirekt gehaltenen Commerzbank-Aktien ausweisen müssen. Die schnelle Veröffentlichung sehen Finanzkreise als eindeutiges Signal, dass die Münchener bei der Zukunft der Commerzbank ein gewichtiges Wort mitreden wollen.

Einige Investmentbanker sehen die Aufstockung als ersten Schritt zu einer Fusion von Hypo-Vereinsbank und Commerzbank. "Die Lösung wäre sinnvoll", meint ein Berater. Beide Institute würden in der Krise stecken. Eine Verschmelzung ermögliche erhebliche Einsparungen etwa bei den Mitarbeitern und den Filialen. "Am besten wäre die Commerzbank in einem größeren Verbund aufgehoben", bestätigt ein anderer Banker.

"Es ist ein geschickter Schritt, um einen Fuß in der Tür zu haben", sagt auch die Analystin der Bankgesellschaft Berlin Birgit Gruener. Investmentbanker spekulierten bereits über eine langfristig anstehende Fusion von Hypo-Vereinsbank (HVB) und Commerzbank. Denn gleichzeitig gab die Münchner Rück die bereits angekündigte Entflechtung der Beteiligungen mit der Allianz bekannt, nach der sie jetzt 25,7 % des Kapitals und 26,3 % der Stimmrechte an der Hypo-Vereinsbank besitzt. Auch die Beteiligung an der Versicherungsgruppe Ergo ist auf 91,7 % gestiegen. Im Gegenzug gingen die von der Münchener Rück gehaltene 40 %-Beteiligung an der Allianz-Leben und die Anteile an der Dresdner Bank an die Allianz. Auch die Beteiligung des Rückversicherers an der Allianz wurde auf rund 20 % reduziert. Die Maßnahmen waren bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz im Vorjahr so vereinbart worden und sollten vereinbarungsgemäß jetzt nach Inkrafttreten der Steuerreform umgesetzt werden.

Ein Zusammenschluss mit der HVB ist nach Angaben von Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller jedoch derzeit kein Thema. "Eine Fusion steht jetzt nicht im Raum", sagte Müller am Donnerstag in Frankfurt.

Die Münchener Rück spielte die Aufstockung herunter. Ein Sprecher bezeichnete den fast verdoppelten Anteil als reine Finanzanlage. Die Commerzbank und die Investorengruppe Cobra, die ebenfalls rund zehn Prozent an dem Frankfurter Institut hält, vermuten dahinter jedoch einen strategischen Plan des Versicherers.

Die Aktie der Commerzbank profitierte von der Fusionsphantasie und setzte sich mit einem Plus von 8,5 Prozent an die Spitze der Gewinner im Deutschen Aktienindex.

Experten der Finanzbranche gehen davon aus, dass die Commerzbank als nur viertgrößte deutsche Bank nicht alleine überleben kann. Das Institut hat bereits mehrere gescheiterte Fusionsversuche hinter sich. Zuletzt wurden die Gespräche mit der italienischen Unicredito ergebnislos abgebrochen. Zuvor war der Zusammenschluss mit der Dresdner Bank in letzter Sekunde geplatzt. "Börsenbaisse und Konjunkturschwäche haben zwar alle Institute harrt getroffen, allerdings steht die Commerzbank bei weitem vor den größten Problemen", erläutert ein Investmentbanker. Das Institut verfüge in keinem Geschäftsbereich über die nötige kritische Masse.

Andere Experten erwarten, dass es zumindest kurzfristig nicht zu einem Zusammenschluss zwischen Commerzbank und HVB kommen wird, da beide Institute zunächst einmal mit Sanierungsaufgaben beschäftigt seien. Eine Fusion sei erst in ein bis zwei Jahren eine ernsthafte Option. "Doch auch wenn es nicht zu einem Zusammenschluss der beiden Banken kommt, bleibt die Beteiligung für die Münchener Rück lukrativ," urteilt ein Investmentbanker. Die Commerzbank werde es in ein bis zwei Jahren auf jeden Fall nicht mehr in der jetzigen Form geben. Da die Marktkapitalisierung derzeit deutlich unter dem Buchwert liege, könne der Versicherer davon ausgehen, dass er eine attraktive Prämie beim Verkauf seines Aktienpaketes bekomme.

"Ein weiterer Verfall des Kurses der Frankfurter Großbank ist auf dem derzeitigen Niveau kaum möglich", so der Experte. Denkbar sei auch ein weiterer Schritt der Münchener, sich als Erstversicherer im Ausland zu positionieren. Hier fehlt es dem Versicherer noch an Präsenz. Möglich wäre etwa eine Kooperation oder eine mit Kapital unterlegte Verflechtung mit der italienischen Generali, die mit einem Anteil von 9,99 % zweitgrößter Aktionär der Commerzbank ist.

Neben der Verdoppelung des Commerzbank-Pakets gab die Münchener Rück gestern überraschend die Aufstockung ihrer Beteiligung an der Nürnberger Versicherungsgruppe von 7,5 % auf knapp 20 % bekannt. Die Anteile an der Nürnberger Beteiligungs AG wurden von der Deutschen Bank gekauft. "Wir wollen damit unsere geschäftlichen Beziehungen zu dem Versicherer unterstreichen", sagte ein Sprecher der Münchener Rück. Allerdings sei eine mehrheitliche Übernahme nicht geplant.

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