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30.01.2002

19:00 Uhr

Versicherer können Teilauszahlungen vorsehen

Chancengleichheit bei Riester-Produkten

VonCASPAR DOHMEN (RITA LANSCH)

Im Riestergeschäft gibt es nun Chancengleichheit; zwischen Banken und Investmentgesellschaften einerseits und Lebensversicherern andererseits. Alle dürfen nun Riester-Renten mit Auszahlungsplan plus Restkapitalverrentung anbieten.

BERLIN/DÜSSELDORF. Konkret: Auch Versicherte können sich einen Teil ihrer Riesterpolice im Alter auszahlen lassen. Solche Auszahlungspläne sind eine Domäne von Banken und Fondsgesellschaften. Doch nach neuester, amtlicher Auslegung sind sie auch mit Rentenversicherungen vereinbar. Als die Zertifizierungsstelle im Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) der Investmentbranche erstmals einen Auszahlungsplan als Alternative zur herkömmlichen Rentenauszahlung (lebenslang gleich bleibend oder steigend) überraschend genehmigt hatte, protestierten die Versicherer umgehend. Stein des Anstoßes war ein Mustervertrag im Rahmen der steuerlich geförderten privaten Zusatzvorsorge, der so genannten Riester-Rente. Demnach ist es erlaubt, maximal ein Fünftel des angepassten Kapitals auf einen Schlag auszuzahlen. Weitere 20 Prozent können in der Höhe variieren. Der Rest muss als gleich bleibende oder steigende Monatsrate und ab einem Alter von 85 Jahren als lebenslange Rente ausgezahlt werden. Damit kommt ein Riester- Sparer schneller als mit der reinen Rentenauszahlung an sein Geld. "Das widerspricht dem Geist der Rentenreform", kritisierten Fachleute wie Versicherer damals. Letztere fürchteten offenbar im Wettbewerb um Riester-Kunden gegenüber Fondsanbietern zurückzufallen. Die Sorge war wohl überflüssig, wie sich jetzt herausstellt. Jürgen Tietze, bis vor kurzem Referatsleiter der Zertifizierungsstelle und nun für die Zulassung von Pensionsfonds und-kassen zuständig, hat auf einer Handelsblatt-Tagung zur Rentenreform bestätigt, dass jetzt auch Versicherer höhere Teilauszahlungen in Riester-Rentenpolicen vereinbaren dürfen. Tietze: "Einen solchen Vertrag haben wir schon zertifiziert." Dabei handelt es sich um ein Angebot der Kölner DEVK-Versicherung. Versicherte könnten bei der Police ein Jahr vor Leistungsbeginn wählen, zwischen einer Rentenzahlung ab dem 65 Lebensjahr oder einer einmaligen Auszahlungen in Höhe von 20 Prozent verbunden mit einer Rentenzahlung, sagte eine DEVK - Sprecherin. Auch die Hamburg Mannheimer zeigt Interesse. "Ein solches Produkt würden wir schon deshalb haben wollen, damit der Vertrieb alles anbieten kann", sagt Vorstandsmitglied Jürgen Weinreich. Der Bundesverband der Investmentgesellschaften (BVI) begrüßte die neue Regelung: "Wir haben uns von Anfang an für mehr Flexibilität bei der Riester-Produkten eingesetzt", erklärte ein BVI - Sprecher. Mehr Chancen als privaten Riester-Verträgen räumen Fachleute der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ein, die auch durch die Rentenreform gefördert wird, beispielsweise durch Einführung einer neuen Variante der bAV, dem Pensionsfonds. BAV-Mann Tietze erwartet frühestens im zweiten Quartal die erste Genehmigung von bAV-Produkten.

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