Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2003

16:08 Uhr

Versicherer schichteten in Anleihen um

Dax-Ausblick: Verunsicherte Anleger bestimmen das Bild

Fehlende Risikobereitschaft, anhaltende Unsicherheit, starke Zurückhaltung - mit diesen Schlagworten beschreiben Börsianer die Stimmung an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen. Auch in der kommenden Woche wird sich diese Situation nicht ändern. Zu groß sind die politischen und konjunkturellen Einflussfaktoren, die den Jahresanfang 2003 bestimmen.

vwd FRANKFURT. Ein weiter steigender Euro, höhere Ölpreise sowie die Konflikte im Irak und Nordkorea sind Wasser auf die Mühlen der Investoren, die vor allem die Risiken betonen. Kein Wunder also, dass in den vergangenen Tagen vor allem Versicherer ihre Aktienbestände zugunsten von Staatsanleihen zurückgefahren haben.

"Wenn sich schon diese Profis aus dem Aktienmarkt zurückziehen, darf sich niemand wundern, dass die Börsen keine einheitliche Richtung finden, sondern nur immer wieder in einer Spanne von 150 Punkten schwanken", sagt ein Frankfurter Aktienhändler. Allerdings gibt es auch einen positiven Aspekt. Ende vergangener Woche fiel der Dax auf die Tiefs von Ende Dezember 2002 zurück. Dadurch hätten jetzt die Investoren wieder einen Grund zum Kaufen, die die starke Performance vom 2. Januar verpasst hatten. "Am Markt wurde bereits darüber gemunkelt, dass vor allem große US-Adressen die Märkte genau auf diese Indexstände drücken wollten, da sie den ersten Handelstag des Jahres verpasst hatten", berichten Londoner Marktteilnehmer.

Weniger Gewinnwarnungen im Vorfeld

Keine extrem negativen Überraschungen für Berichtssaison erwartet In der kommenden Woche startet die Berichtssaison für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2002 in die heiße Phase. Dann wird sich zeigen, inwiefern die Restrukturierungen der großen Konzerne zu positiven Ergebnissen geführt haben. Eine erste Indikation dafür, dass die Geschäftsberichte zumindest keine extrem negativen Überraschungen bringen, gaben die vergangenen Handelstage. "Die Gewinnwarnungen in dieser so genannten Pre-Announcement-Phase, die einige Wochen vor der offiziellen Berichtssaison liegt, sind im Vergleich zu den vorangangenen Quartalen deutlich zurückgegangen", sagt ein Aktienhändler. Dies lasse zumindest auf eine Stabilisierung hoffen, so dass vor allem die großen US-Konzerne die Erwartungen des Finanzmarktes erfüllen dürften.

"Eine erlösende Aktien-Rally wird das jedoch nicht auslösen", fügt ein weiterer Marktteilnehmer hinzu. Noch immer schwebe das Damoklesschwert eines möglichen Irak-Krieges über den Finanzmärkten. Somit dürfte die Stimmung zumindest bis Ende Januar von starker Unsicherheit geprägt sein. Am 27. Januar legt der Chef der UNO-Waffeninspektoren seinen Abschlussbericht dem Weltsicherheitsrat vor. Entscheidungen über ein weiteres Vorgehen dürften somit erst nach diesem Termin gefällt werden.

Sorgen um Irak-Konflikt und Konjunkturerholung belasten weiter "Wir sind skeptisch, dass die Aktienbörsen bereits in den kommenden Wochen ihre holprige Wegstrecke beenden werden", meinen auch die Analysten der Bankgesellschaft Berlin. Grund für ihre Zurückhaltung sei unter anderem der drohende Irak-Krieg. Sowohl der Zeitpunkt eines möglichen Militärschlages als auch der Kriegsverlauf mit den schwer abschätzbaren Folgen für den Ölpreis und die Konjunktur blieben mit großen Unsicherheiten behaftet, die sich in der Dollar-Schwäche, dem gestiegenen Goldpreis und der im Ölpreis enthaltenen "Kriegsprämie" manifestierten. "Solange da keine Klarheit besteht, sollten die Aktienmärkte volatil bleiben", sagen die Analysten.

Aufschwungkräfte konnten sich bislang nicht durchsetzen

Zudem gebe es für die Konjunktur immer noch Rückschlagsrisiken, die nicht nur politisch bedingt seien. Trotz der niedrigen Zinsen hätten sich die zyklischen Aufschwungkräfte der Wirtschaft bislang nicht überzeugend durchsetzen können, heißt es. Entsprechend vorsichtig fallen auch die Prognosen der EU-Kommission und der Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland aus. Die am Freitagmittag veröffentlichen US-Arbeitsmarktdaten für Dezember untermauern die Besorgnis um anhaltende konjunkturelle Probleme auch in den USA. So sind die Arbeitsplätze insgesamt um 101 000 abgebaut worden. Analysten und Volkswirte hatten mit einem Zuwachs der Stellen um rund 28 000 gerechnet.

Wichtige Termine in der kommenden Woche

Am Montag berichtet Karstadt-Quelle über den Jahresumsatz 2002. Dienstag gibt DaimlerChrysler erste Einzelheiten zur aktuellen Marktentwicklung bekannt, und der US-Halbleiterkonzern Intel veröffentlich die Ergebnisse für das vierte Quartal 2002. Zur Wochenmitte warten dann die im MDax gelistete Techem sowie die US-Konzerne Apple und Yahoo! mit Geschäftszahlen auf. Am Donnerstag stehen die Quartalsergebnisse von IBM, Microsoft und General Motors auf dem Programm. Der Wochenschluss wird bestimmt durch die Daten zur US-Industrieproduktion und die Ergebnisse von General Electric.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×