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07.03.2003

20:08 Uhr

Versicherer unter die Räder gekommen

Europäische Börsen schließen schwach

Kriegsängste überschatteten die Märkte. Die Anleger reagierten aber kaum auf die Rede von Hans Blix, dem Chef der vor Uno-Waffeninspektoren, vor dem Uno-Sicherheitsrat. Der Irak hat nach Einschätzung von Blix seine Kooperation mit den Vereinten Nationen spürbar verbessert, aber noch nicht im vollen Umfang seine Verpflichtungen zur Zusammenarbeit erfüllt.

Reuters LONDON. Die Rede von US-Präsident George W. Bush in der Nacht auf Freitag verstärkte die Kriegsängste. "Die Hauptsorge ist, dass Amerika ohne Uno-Resolution in einen Krieg zieht. Das wäre sehr negativ für die ganze westliche Welt," sagte Hilary Cook, Chefstratege Investment von Barclays Private Clients. Auch die schwachen US-Arbeitsmarktdaten trübten die Marktstimmung. Die Zahl der US-Beschäftigten ausserhalb der Landwirtschaft sank im Februar im Vergleich zum Vormonat unerwartet und auch deutlich und die Arbeitslosenrate ist auf 5,8 Prozent gestiegen.

Insbesondere volatile Versicherungswerte wie etwa Aegon kamen unter die Räder. Die Anleger machen sich laut Händlern mehr und mehr Sorgen wegen der Aktienengagements der Assekuranzen. Aegon büßte weitere 14 Prozent ein. Der DJ StoxxInsurance-Index verlor 4,1 Prozent. Aber auch die anderen Marktsektoren gaben nach. Die Verlierer überwogen die Gewinner mit einem Verhältnis von acht zu eins.

Die Börse in LONDON gab belastet von negativen US-Arbeitsmarktdaten, trüben Unternehmensmeldungen und Kriegsängsten deutlich nach. Der FTSE 100-Index der Standardwerte verlor 1,8 Prozent auf 3 492 Zähler und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit rund fünf Wochen. Die Papiere des Werbekonzerns WPP büßten 4,4 Prozent ein. Händler verwiesen dabei auf den Gewinneinbruch des US-Konkurrenten Interpublic im vierten Quartal. Dadurch wurden auch weitere Medienwerte belastet. Reuters gaben 3 Prozent nach. Die Titel des Versicherers Royal & Sun trübten mit einem Kursverlust von 7,4 Prozent die Stimmung im Finanzsektor. Die Ratingagentur Fitch hatte mitgeteilt, die Resultate des Versicherers würden Anlass zu Sorgen über dessen Finanzlage geben. Lloyds TSB verloren 4,2 Prozent.

Die SCHWEIZER Aktien setzten angeführt von Finanzwerten den Kurszerfall fort. Der SMI-Index schloss um 2,1 Prozent tiefer bei 3 880 Zählern. Laut Händlern sind vor allem die Finanzwerte in einem "Abwärtssog" gefangen. "Je weiter die Aktienmärkte sinken, desto mehr sinken auch die Finanzwerte, allen voran die Versicherer," so ein Händler. "Das ist ein Teufelskreis." Vor allem Swiss Life fielen erneut mit kräftigen Verlusten auf. Sie sackten 8,3 Prozent. Experten sagten, die Gewinnwarnung vom Vortag habe gezeigt, dass der Konzern schwer angeschlagen sei. Auch operativ scheine der größte Lebensversicherer der Schweiz keine glückliche Hand gehabt zu haben. Aber auch Baloise, Zurich und Swiss Re sanken markant. Händler äusserten sich auch skeptisch zu den weiteren Aussichten der Versicherungen.

In PARIS verlor der CAC 40-Index 2,3 Prozent auf 2 575 Zähler und lediglich drei der 40-Indextitel gingen mit Kursgewinnen aus dem Handel. Kräftige Verluste mussten etwa Carrefour mit einem minus 5 Prozent und Accor mit 3 Prozent Abschlag einstecken. Unter Druck standen auch die Aktien des Einzelhändlers Pinault Printemps Redoute, die 7 Prozent nachgaben, nachdem CSFB das Kursziel für die Aktie reduziert hatte. Einen Kurseinbruch von sieben Prozent verzeichneten Vivendi Universal; der Konzern berichtete am Vorabend den grössten Verlust in der französischen Wirtschaftsgeschichte aus.

In PARIS verlor der CAC-40-Index mehr als 2 Prozent auf 2 574,91 Zähler und lediglich drei der 40-Indextitel konnten mit einem Gewinn abschliessen. Kräftige Verluste mussten etwa Carrefour mit einem Verlust von mehr als 5 Prozent und Accor mit einem Minus von 3 Prozent einstecken. Unter Druck stand auch die Aktie des Einzelhändlers Pinault Printemps Redoute, die mehr als 7 Prozent nachgab, nachdem CSFB das Kursziel für die Aktie reduziert hatte. Einen Kurseinbruch um gut 7 Prozent verzeichneten Vivendi Universal; der Konzern wies am Vorabend den grössten Verlust in der französischen Firmengeschichte aus.

Der Aktienmarkt AMSTERDAM schloss mit kräftigen Verlusten. Bei einem Rückgang des AEX-Index um 4,3 Prozent auf 236 Zähler verloren Ahold 6 Prozent. 3 Prozent schwächer waren Heineken. KPN sanken leicht nach Berichten, dass die britische Telekomtochter "3UK" frisches Geld braucht.

An der Börse MAILAND verlor der MIB 30-Index 1,5 Prozent auf 21 769 Zähler. Fiat standen weiter unter Druck und sanken 6 Prozent. Olivetti und Pirelli waren etwas fester.

In der MADRIDER Börse schlossen einige Standardwerte wie etwa Iberdrola oder Enagas mit kleinen Gewinnen. Die Aktien der beiden spanischen Grosßbanken gaben jedoch jeweils um gut 3 Prozent nach. Dagegen zogen die Aktien der drittgrößten Bank, der Banco Popular, leicht an. Als Grund dafür nannten Händler die Erleichterung darüber, dass die EZB ihre Zinsen nur um 25 Basispunkte gesenkt hat. Niedrigere Zinsen würden bei den Banken zu niedrigeren Margen führen und das treffe besonders für Popular zu, hieß es.

An der Börse STOCKHOLM verlor der OMX-Index 1,2 Prozent auf 452 Punkte. Die Titel der Fluggesellschaft SAS lasteten mit einem Minus von 4,7 Prozent auf dem Markt. Ericsson tendierten mit plus 0,2 Prozent etwas fester. Nokia verloren in HELSINKI 4,1 Prozent. CSFB hat die beiden Telekomausrüster zurückgestuft.

An der Börse WIEN gab der ATX-Index 0,6 Prozent auf 1 153 Zähler nach. Schwergewicht Erste Bank drehten im Verlauf ins Minus und verloren 1,1 Prozent. Dagegen zogen die Papiere des Erdölkonzerns OMV 2,8 Prozent an.

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