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27.07.2000

20:42 Uhr

Versicherung gibt Dresdner-Bank-Chef Rückendeckung

Geplatzte Fusion kratzt am Image der Allianz

Das Scheitern der Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank fügt dem Image der Allianz schweren Schaden zu. Vom Handelsblatt befragte Analysten betonten, dass der Versicherungskonzern nach den jetzt geplatzten Gesprächen erheblich an Glaubwürdigkeit verloren habe. Obwohl die Allianz nicht direkt beteiligt war, galten die Münchener doch als einflussreiche Kraft im Hintergrund. Die Allianz hält 21,7 % der Dresdner-Bank-Aktien und ist damit größter Aktionär.

jojo MÜNCHEN. Analysten halten das Image vor allem deshalb für angekratzt, weil dies bereits der zweite Deal ist, bei dem sie eine wichtige Rolle spielte, nicht erfolgreich abschließen konnte. Im Frühjahr war die bereits angekündigte Fusion von Deutscher und Dresdner Bank gescheitert. Damals war vereinbart worden, dass die Allianz das Filialgeschäft der Deutschen Bank, die Bank 24, übernimmt. Die Allianz hatte bei beiden Fusions-Verhandlungen betont, nicht direkt eingebunden zu sein. Allianz-Chef Schulte-Noelle wurde zuletzt über Wochen hinweg nicht müde zu betonen, dass sein Unternehmen lediglich informiert werde, nicht aber mit am Tisch sitze.

Die Allianz war an den Fusionen in zweierlei Hinsicht interessiert. Erstens wollte man den Wert der eigenen Beteiligung steigern, zweitens über das Filialnetz der Banken einen zusätzlichen Vertriebskanal für die Anlageprodukte des Versicherers erschließen.

Die Allianz-Zentrale gab Dresdner-Bank-Chef Fahrholz trotz der eigenen ungünstigen Situation Rückendeckung. Man respektiere die Entscheidung, hieß es aus München. Dass Fahrholz die Verhandlungen abgebrochen habe, zeige, dass nicht nur aus Sicht des Großaktionärs verhandelt worden sei, sondern im Sinne aller Aktionäre. Die Allianz, auch das verschweigt die Versicherung nicht, hätte nach wie vor ein Interesse an dem Filialnetz der Banken als Vertriebsweg gehabt. Sie betreibe jedoch keine aktive Suche nach einem zusätzlichen Verkaufsnetz.

Analysten betonten, dass der Commerzbank/Dresdner-Bank-Deal für die Allianz ohnehin nur zweite Wahl gewesen sei. Das zunächst geplante Zusammengehen von Deutscher und Dresdner Bank wäre für die Allianz wesentlich vorteilhafter gewesen.

Auf dem Parkett wurden die Auswirkungen der geplatzten Fusion auf die Allianz gestern negativ gesehen. Der Kurs gab um rund 2,5 % auf 405 Euro nach. Trotz Rückschlägen nach dem Scheitern der ersten Fusion hat die Aktie seit Jahresbeginn mehr als 70 Euro" zugelegt.

Die Analysten sehen das Papier derzeit unterschiedlich: Während die DG Bank zum Kauf rät, empfiehlt die Commerzbank Securities zum Verkauf.

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