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30.01.2003

08:37 Uhr

Versicherungskonsortium muss danach 7 statt 3,5 Milliarden Dollar zahlen

Schlappe für Allianz im World-Trade-Center-Streit

Der Versicherungskonzern Allianz AG hat im Rechtsstreit um Schadenszahlungen im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das World Trade Center vor einem New Yorker Gericht einen Rückschlag erlitten. Richter John Martin entschied am Mittwoch, dass der Schaden nicht wie von der Allianz angestrebt als Einzelereignis gewertet werden könne und verwies den Fall zur weiteren Behandlung an ein Geschworenengericht.

Reuters NEW YORK. WTC-Pächter Larry Silverstein streitet sich mit einer von der Schweizer Swiss Re angeführten Gruppe von rund 20 Versicherern, ob die Anschläge vom 11. September 2001, bei denen zwei entführte Flugzeuge in jeweils einen der Zwillingstürme geflogen waren, versicherungstechnisch als ein einzelnes Ereignis zu werten seien. Bei einem Einzelschaden würden Silverstein 3,5 Mrd. Dollar von dem Versicherungskonsortium zustehen, bei zwei Schäden rund sieben Mrd. Dollar.

Die Allianz hatte argumentiert, lediglich die Summe für ein Einzelereignis zahlen zu müssen, da die Versicherungspolice im Falle von "vorsätzlicher Unheilstiftung" und "Vandalismus" vorsehe, dass mehrere Schäden innerhalb von 72 Stunden als Einzelschaden gelten. Richter Martin begründete seine Entscheidung hingegen damit, dass es unangemessen sei, den Anschlag, wie in der Versicherungspolice vorgesehen, als reine "Unheilstiftung" oder "Vandalismus" zu bezeichnen. Die Auslegung der Sprache in einer Police müsse sich nach New Yorker Gesetz nach dem Grundsatz der allgemeinen Verständlichkeit richten. "Da der Anschlag auf das World Trade Center größere Verluste an Menschen und Gegenständen zur Folge hatten als der Angriff auf Pearl Harbor, ist es gleichermaßen unangemessen, ihn als vorsätzliche Stiftung von Unheil oder Vandalismus zu beschreiben", sagte der Richter.

Die Allianz setzt nach eigenen Angaben darauf, dass das Geschworenengericht doch noch im Sinne des Versicherers entscheidet. Man vertraue darauf, dass die Geschworenen die allgemein verständliche Definition der Police auf die Geschehnisse anwenden und die terroristischen Anschläge des 11. September als Einzelereignis werten würden, erklärte Allianz-Sprecherin Sabia Schwarzer.

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